Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt die Leitzinsen am 23. Juli 2026 unverändert bei 2.25 Prozent, nachdem sie diesen erst wenige Wochen zuvor angehoben hatte. Die um 14:15 Uhr MESZ in Frankfurt verkündete Entscheidung verschafft Kreditnehmern und Sparern in ganz Deutschland eine kurze Atempause. Die Zentralbank signalisierte jedoch, dass eine weitere Zinserhöhung noch nicht ausgeschlossen ist, was bedeutet, dass die Kosten für Kredite und Hypotheken ihren Höhepunkt möglicherweise noch nicht erreicht haben.
Warum die EZB die Zinsen bei 2.25 Prozent belässt
Der EZB-Rat hat alle drei Leitzinsen unverändert gelassen. Der Einlagenzinssatz, der die Rendite für Banken bei der Zentralbank festlegt und die täglichen Kreditkosten maßgeblich beeinflusst, bleibt bei 2.25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz bleibt bei 2.40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2.65 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte gegenüber Journalisten, die Entscheidung zur Beibehaltung der Zinssätze sei einstimmig gefallen.
Dennoch gab Lagarde zu, dass die Debatte nicht einseitig verlaufen war. Sie sagte: „Einige Gouverneure fragten sich, ob wir nicht eine Zinserhöhung in Betracht ziehen sollten.“ Dies ist ein offenes Eingeständnis, dass ein Teil des Rates die Geldpolitik erneut straffen wollte. Dass die EZB die Zinsen in diesem Monat unverändert lässt, anstatt sie anzuheben, spiegelt eher den Wunsch wider, neue Wirtschaftsprognosen abzuwarten, bevor man handelt, als die feste Überzeugung, dass der Straffungszyklus beendet ist.
Eine überraschende Juniwanderung wirft noch immer einen Schatten
Die aktuelle Zinspause erscheint nur vor dem Hintergrund des Juni sinnvoll, als die EZB die Märkte mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf allen drei Zinssätzen überraschte. Dies war die erste Zinserhöhung seit drei Jahren und beendete eine lange Phase, in der die Zentralbank nach ihrem Kampf gegen die Inflation nach der Pandemie die Zinsen entweder gesenkt oder beibehalten hatte. Lagarde betonte, dass die Maßnahme im Juni nicht bloß eine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Reaktion auf realen Preisdruck war.
Höhere Energiekosten spielen dabei eine wichtige Rolle. Nach erneuten Spannungen im Nahen Osten sind die Ölpreise wieder über 90 US-Dollar pro Barrel gestiegen und haben damit einen vorherigen Rückgang umgekehrt. Die EZB erklärte, sie beobachte die Folgewirkungen der steigenden Energiepreise und warnte, dass die volle Inflationswirkung des Energieschocks noch nicht absehbar sei. Angesichts dieses Risikos prägt die Zinserhöhung im Juni weiterhin die Einschätzung des EZB-Rats für die kommenden Monate.
Die Inflation liegt weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel
Der Grund, warum eine weitere Zinserhöhung weiterhin im Raum steht, ist einfach. Die Inflation in der Eurozone ging im Juni auf 2.8 Prozent zurück, nach 3.2 Prozent im Mai, liegt aber immer noch deutlich über dem EZB-Zielwert von 2 Prozent. Die Aufgabe der Zentralbank besteht darin, das Preiswachstum wieder auf dieses Niveau zu bringen und dort zu halten. Daher sorgt eine Inflationsrate von nahezu 3 Prozent für anhaltenden Druck.

Da im Juli keine neuen Prognosen der Mitarbeiter veröffentlicht wurden, entschied sich der Rat für eine abwartende Haltung. Lagarde erklärte, eine Forward Guidance sei „derzeit nicht geplant“, womit die EZB sich nicht auf einen festen Kurs festlegen will. Ökonomen erwarten den 10. September als entscheidenden Moment, wenn die neuen Prognosen vorliegen. Viele Analysten halten eine zweite Zinserhöhung bei dieser Sitzung für wahrscheinlicher, falls die Energiekosten weiterhin die Kerninflation belasten. Die Reaktion der Finanzmärkte fiel verhalten aus; der Eurokurs veränderte sich nach der Ankündigung kaum gegenüber dem US-Dollar.
Was passiert, wenn die EZB die Hypothekenzinsen beibehält?
Für alle in Deutschland mit einem Kredit oder einer Immobilieninvestition gilt: Kredite sind im vergangenen Jahr teurer geworden und könnten sich weiter verschärfen. Deutsche Hypotheken werden üblicherweise mit einem festen Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit, oft zehn Jahre, aufgenommen. Der heute festgelegte Zinssatz hat also langfristige Auswirkungen. Langfristige Hypothekenzinsen spiegeln die Erwartungen an die zukünftige EZB-Politik ebenso wider wie den aktuellen Zinssatz. Ein Markt, der mit einer weiteren Zinserhöhung rechnet, hält die Festzinsen tendenziell hoch.
Haushalte, die einen Kauf erwägen, sollten bedenken, dass die Niedrigzinsphase vorbei ist und die EZB voraussichtlich als Nächstes eher mit einer Zinserhöhung als mit einer Zinssenkung rechnen wird. Wenn Sie einen Kauf in Erwägung ziehen, hilft Ihnen unser Leitfaden weiter. Immobilienkauf in Deutschland Erklärt, wie Hypotheken, Einlagen und das Grundbuchverfahren funktionieren. Konsumkredite, Dispokredite auf dem Girokonto und Autofinanzierungen reagieren ebenfalls auf die Haltung der EZB, sodass Kredite im Allgemeinen teurer bleiben als in den Niedrigzinsjahren.
Was das für Sparer in Deutschland bedeutet
Sparen hat Vorteile gegenüber Krediten. Solange die EZB den Einlagensatz hoch hält, können Banken in Deutschland einen größeren Teil der Rendite über Tagesgeld und Festgeld an ihre Kunden weitergeben. Die Sparzinsen haben sich von den Jahren erholt, in denen deutsche Banken fast nichts zahlten, und eine Zentralbank, die nur ungern senkt, trägt dazu bei, dass diese Angebote attraktiv bleiben. Ein Vergleich lohnt sich dennoch, da die Banken nicht alle gleich schnell reagieren.
Die wichtigste Schlussfolgerung ist Geduld. Die EZB hält die Zinsen vorerst unverändert, hat aber eine Erhöhung im September weiterhin als Option in Betracht gezogen. Daher sollten sowohl Kreditnehmer als auch Sparer mit einem möglichen Zinsanstieg rechnen. Höhere Kreditkosten wirken sich auch auf Mieten und Lebenshaltungskosten aus, sodass die Entscheidung weit über Hypotheken hinausreicht. Einen umfassenderen Überblick darüber, wie Zinsen, Einkommen und Abzüge zusammenhängen, bietet unsere Übersicht zu diesem Thema. das deutsche Steuersystem ist eine nützliche Lektüre. Das deutlichste Signal wird am 10. September kommen, wenn die EZB neue Prognosen veröffentlicht und entscheidet, ob die Pause in eine weitere Zinserhöhung mündet.
