Startseite Soziale Sicherheit und WohlfahrtKabinett unterstützt Gesetz zur Digitalisierung von Jobcentern

Kabinett unterstützt Gesetz zur Digitalisierung von Jobcentern

by WeLiveInDE
0 Kommentare
Eine Person füllt den Antrag auf Arbeitslosengeld digital auf einem Laptop zu Hause aus, anstatt Papierformulare für die deutsche Arbeitsagentur auszufüllen.

Der Umgang mit deutschen Arbeitsämtern bedeutete lange Zeit Papierformulare, Briefe und persönliche Besuche in der Filiale. Das soll sich nun ändern. Am 15. Juli verabschiedete das Bundeskabinett das Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Arbeitsförderung, das viele bereits als „Digitales Jobcenter-Gesetz“ bezeichnen. Dem Gesetzentwurf zufolge werden die Arbeitslosenmeldung, die Beantragung von Leistungen und die Kommunikation mit der Bundesagentur für Arbeit künftig standardmäßig digital abgewickelt.

Für Expats, die den deutschen Verwaltungsaufwand oft als den schwierigsten Teil des Lebens im Land bezeichnen, ist die Reform von großer Bedeutung. Sie betrifft Momente, in denen Menschen am verletzlichsten sind: den Verlust des Arbeitsplatzes, den Bezug von Arbeitslosengeld oder die Reduzierung der Arbeitszeit durch einen in Schwierigkeiten geratenen Arbeitgeber.

Was das Gesetz über digitale Jobcenter ändert

Das Kernprinzip des Gesetzesentwurfs lautet „Digital zuerst“. Anträge auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung, einschließlich des Arbeitslosengeldes I (ALG I), sollen künftig vorrangig über die Online-Portale der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Auch die Meldung der Arbeitslosigkeit, ein separater rechtlicher Schritt, wird elektronisch vereinfacht. Laut Regierungsangaben werden digitale Anträge bereits häufig genutzt und sollen nun zum Standard werden.

Auch die Korrespondenz ändert sich. Statt offizieller Briefe per Post wird die Kommunikation der Behörde künftig digital abgewickelt. Der juristische Nachrichtendienst LTO berichtet über ein Detail, das für Reisende relevant ist: Leistungsempfänger müssen nicht mehr physisch an ihrer Postadresse erreichbar sein, um die Post der Behörde zu erhalten, da die Nachrichten elektronisch zugestellt werden. Wichtig ist jedoch, dass die Papierform weiterhin besteht. Wer die Online-Dienste nicht nutzen kann oder möchte, kann Anträge weiterhin auf dem herkömmlichen Weg einreichen.

Videoanrufe statt Wartezimmer

Das Gesetz ermöglicht auch Fernberatung. Obligatorische Beratungstermine bei der Agentur für Arbeit, die bisher üblicherweise mit einem Aufenthalt im Wartezimmer verbunden sind, werden künftig per Videoanruf möglich sein. Die Regierung argumentiert, dies schaffe ein größeres Angebot an Terminen, was insbesondere Berufstätigen helfe, die neben ihrer Arbeit eine neue Stelle suchen.

Für internationale Fachkräfte ist dies ein praktischer Vorteil. Videosprechstunden machen einen Besuch im Büro überflüssig und erleichtern die Einbindung eines Dolmetschers oder einer Begleitperson. Wer sich vor dem Kontakt mit der Behörde über das Leistungssystem informieren möchte, kann mit unserem Leitfaden beginnen. Arbeitslosengeld in Deutschland.

Neue Arbeitsversuche und Pflichten des Arbeitgebers

Neben der Digitalisierung führt der Gesetzentwurf ein neues Instrument namens Beschäftigungserprobung ein. Diese ermöglicht es Arbeitnehmern, eine Stelle bei einem potenziellen neuen Arbeitgeber zu testen, ohne vorher ihren aktuellen Job kündigen zu müssen. Laut LTO kann eine solche Probezeit bis zu vier Wochen, in Ausnahmefällen bis zu sechs Wochen dauern. Das Instrument richtet sich insbesondere an Arbeitnehmer in Branchen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen Entlassungen drohen. Ziel ist es, Menschen vor Eintritt der Arbeitslosigkeit einen Jobwechsel zu ermöglichen.

Ein Arbeitssuchender führt ein Videogespräch mit einem Berater der deutschen Arbeitsagentur über einen Computerbildschirm.

Auch Arbeitgeber sind betroffen. Die Beantragung von Kurzarbeitergeld, der Lohnaufstockung bei vorübergehender Arbeitszeitkürzung, wird laut Gesetzesentwurf für Unternehmen verpflichtend in elektronischer Form. Die Regierung schafft zudem die rechtliche Grundlage für eine stärkere Automatisierung des Kurzarbeitsverfahrens, das während der Pandemie, als Millionen von Arbeitnehmern darauf angewiesen waren, an Bedeutung gewann. Insgesamt erwartet die Regierung, dass das Paket Bürger, Unternehmen und die Verwaltung um mehr als 720 Millionen Euro an jährlichen Bürokratiekosten entlastet, wie LTO und ad-hoc-news berichten.

Was das Gesetz über digitale Jobcenter auslässt

Eine Klarstellung ist wichtig für Leser, die den Begriff „Jobcenter“ etwas ungenau verwenden. Das Gesetz betrifft das Arbeitslosenversicherungssystem nach dem Sozialgesetzbuch III, das von den Agenturen für Arbeit verwaltet wird. Die Grundsicherung, die steuerfinanzierte Grundsicherung, die von den Jobcentern selbst verwaltet wird, ist von diesen Regelungen ausdrücklich ausgenommen. Wenn Sie Grundsicherung und nicht die versicherungsbasierte Arbeitslosenhilfe (ALG I) beziehen, ändert sich durch dieses Gesetz nichts an Ihrem Verfahren. Dieses System wird separat reformiert, wie wir bereits berichteten. Die Grundsicherungsreform löste das Bürgergeld ab.

Das Gesetz zwingt niemanden zum Online-Zugang. Die Regierung betont, dass die Zugangsregeln im Zuge der Digitalisierung modernisiert werden und analoge Zugänge weiterhin bestehen. Kritiker rein digitaler Regierungsdienste werden genau beobachten, ob die Papieroption in der Praxis tatsächlich noch nutzbar ist, sobald digitale Dienste zum Standard werden.

Zeitplan und was Expats tun sollten

Ein Kabinettsbeschluss ist noch kein Gesetz. Der Entwurf geht nun an den Bundestag, und laut LTO will die Regierung das parlamentarische Verfahren bis Ende November 2026 abschließen. Erst nach der Abstimmung und der förmlichen Verkündung treten die Änderungen in Kraft, und einzelne Elemente können im Laufe des Verfahrens noch angepasst werden.

Expats können sich schon jetzt vorbereiten, indem sie sich ein Online-Konto bei der Bundesagentur für Arbeit einrichten, da viele Dienstleistungen bereits digital abgewickelt werden. Bewahren Sie digitale Kopien von Arbeitsverträgen, Gehaltsabrechnungen und Kündigungsschreiben auf, denn Online-Anträge werden mit hochgeladenen Dokumenten schneller bearbeitet. Und wenn Ihr Arbeitgeber Kurzarbeit ankündigt, läuft der Papierkram ab, sobald das Gesetz zum digitalen Jobcenter in Kraft tritt.

Das könnte Sie auch interessieren