Deutschland erwägt eine bedeutende Änderung des Elterngeldsystems, und im Ausland lebende Eltern mit Familienplanung sollten über die möglichen Auswirkungen informiert sein. Ein von Familienministerin Karin Prien erarbeiteter Reformentwurf sieht eine Verkürzung der Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate vor, wobei ein größerer Teil dieser Zeit speziell für Väter reserviert werden soll. Der Plan wurde im Juli 2026 vorgestellt und befand sich Ende Juli noch in der Abstimmung zwischen den Ministerien. Er wurde weder vom Kabinett noch vom Parlament verabschiedet, daher hat sich bisher nichts geändert.
Was sich durch die Elterngeldreform ändern würde
Das Elterngeld ist eine Leistung, die das Einkommen eines Elternteils teilweise ersetzt, während dieser sich um ein Neugeborenes kümmert. Derzeit können Paare die Basiselterngeld-Leistung für bis zu 14 Monate gemeinsam beziehen. Mit der geplanten Elterngeldreform würde diese maximale Bezugsdauer auf 12 Monate sinken, zwei Monate weniger als bisher.
Der Entwurf sieht eine Neuordnung der Aufteilung der Elternzeit vor, die von den Behörden als „3-6-3-Modell“ bezeichnet wird. Drei Monate sind für jeden Elternteil reserviert und können nicht auf den anderen übertragen werden, während die verbleibenden sechs Monate flexibel zwischen ihnen aufgeteilt werden können. In der Praxis erhöht dies die Mindestanzahl der Monate, die ein Vater nehmen muss, von zwei auf drei, um den vollen Anspruch auf Elternzeit geltend zu machen. Ziel ist es, beide Elternteile zu ermutigen, Zeit zu Hause zu verbringen, anstatt den Großteil der Elternzeit der Mutter zu überlassen.
Höhere Mindest- und Höchstzahlungen
Neben der Verkürzung des Gesamtzeitraums sieht der Entwurf auch eine Erhöhung der Leistungen vor. Das monatliche Mindestelterngeld würde von 300 auf 330 Euro und das Höchstelterngeld von 1,800 auf 1,900 Euro steigen. Der Standardersatzsatz, der einen Anteil des vorherigen Nettoeinkommens der Eltern abdeckt, bliebe unverändert.
Alleinerziehende werden in dem Plan gesondert behandelt. Anstatt Monate zu verlieren, behalten sie weiterhin bis zu zwölf Monate Anspruch auf das Elterngeld, da kein zweiter Elternteil vorhanden ist, mit dem sie die reservierte Zeit teilen könnten. Die Regierung rechnet damit, dass das Gesamtpaket jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen würde, was ein wesentlicher Grund für die Debatte darüber ist.
Der Vorschlag hat bereits Debatten ausgelöst. Befürworter argumentieren, dass mehr Zeit für Väter Deutschland in Richtung einer gerechteren Aufteilung der Kinderbetreuung fördere und Müttern den schnelleren Wiedereinstieg in den Beruf ermögliche. Kritiker entgegnen, dass die Verkürzung der gemeinsamen Betreuungszeit von 14 auf 12 Monate die Gesamtzeit, die Familien mit einem Neugeborenen verbringen, verringere und dass die Änderung ebenso sehr durch Sparzwänge wie durch familienpolitische Erwägungen motiviert sei. Beide Punkte dürften eine Rolle spielen, wenn der Gesetzentwurf dem Parlament vorgelegt wird.
Wann es Anwendung finden würde, falls es verabschiedet wird
Der vorgeschlagene Starttermin ist November 2027. Laut Bericht würden die neuen Regeln für Kinder gelten, die ab diesem Zeitpunkt geboren werden. Familien, deren Kinder vor diesem Zeitpunkt erwartet werden, würden somit unter das derzeitige System fallen. Dieser Zeitplan bietet Eltern, die vorausplanen, eine grobe Orientierung, hängt aber vollständig davon ab, ob der Gesetzesentwurf in Kraft tritt.
Es ist wichtig, den aktuellen Stand zu kennen. Ende Juli 2026 befand sich die Elterngeldreform noch in der ressortübergreifenden Abstimmung und war dem Kabinett noch nicht vorgelegt worden. Details wie die genaue Aufteilung der Monate, die Höhe der Zahlungen und sogar der Starttermin konnten sich im Laufe dieses Prozesses und in späteren Parlamentsdebatten noch ändern. Bis zum Inkrafttreten eines Gesetzes gelten weiterhin die derzeitigen Regelungen für eine Bezugsdauer von 14 Monaten.
Was dies für im Ausland lebende Eltern bedeutet
Wenn Sie in Deutschland Elternzeit planen, ist es ratsam, sich an den geltenden Regelungen zu orientieren und den Entwurf aufmerksam zu verfolgen. Ihre heutigen Entscheidungen bleiben von dem Entwurf unberührt, und Familien, die vor November 2027 ein Kind erwarten, würden ohnehin weiterhin unter die aktuelle Regelung fallen, sollte der Zeitplan beibehalten werden. Unser Leitfaden dazu Kinder- und Familienleistungen erklärt, wie das Elterngeld mit anderen Unterstützungsleistungen zusammenwirkt, auf die Sie möglicherweise Anspruch haben.
Die wichtigste Botschaft der Elterngeldreform ist die Förderung einer gleichmäßigeren Aufteilung der Elternzeit zwischen den Elternteilen. Die drei für jeden Elternteil reservierten Monate sollen Väter dazu anregen, mehr Zeit zu Hause zu verbringen. Paare, die sich die Betreuung teilen möchten, finden die neue Regelung möglicherweise passend, während diejenigen, die es bevorzugen, dass ein Elternteil den Großteil der Elternzeit in Anspruch nimmt, weniger Flexibilität haben. Es lohnt sich in jedem Fall, sich Gedanken darüber zu machen, wie man diese Zeit aufteilen möchte, wie unsere Übersicht zeigt. Work-Life-Balance in Deutschland wird diskutiert. Vorerst bleibt es ein Vorschlag, kein Gesetz.
