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Lebensmittelpreise in Deutschland seit 2020 um 36 Prozent gestiegen

by WeLiveInDE
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Eine Kundin vergleicht die Lebensmittelpreise in einem deutschen Supermarkt und hält dabei einen Kassenbon vor Milchprodukte und Eier.

Wer das Gefühl hat, der Wocheneinkauf in Deutschland sei deutlich teurer geworden, hat nun die offizielle Bestätigung. Laut einer schriftlichen Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei stiegen die Lebensmittelpreise zwischen Anfang 2020 und Mitte 2025 um durchschnittlich 36.3 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die allgemeinen Verbraucherpreise um 22 Prozent, sodass Lebensmittel deutlich schneller teurer wurden als fast alle anderen Güter.

Die Zahlen wurden erstmals am 15. Juli von der Rheinischen Post veröffentlicht und fanden rasch Verbreitung in den deutschen Medien. Sie veranschaulichen ein alltägliches Phänomen, das jeden Haushalt im Land betrifft, und haben die politische Debatte darüber neu entfacht, ob der Staat in die Preisregulierung von Supermärkten eingreifen sollte.

Was die Antwort der Regierung offenbart

Die Daten stammen vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Es hat die Zahlen auf eine sogenannte Kleine Anfrage hin zusammengestellt, eine formelle schriftliche Anfrage, mit der Fraktionen die Regierung zur Veröffentlichung von Informationen verpflichten können. In diesem Fall fragte die Linkspartei nach der Entwicklung der Lebensmittelpreise seit Anfang 2020.

Die Antwort zeigt ein klares Muster. Während die allgemeinen Lebenshaltungskosten in fünfeinhalb Jahren um etwa ein Fünftel stiegen, erhöhten sich die Kosten für die Ernährung eines Haushalts um mehr als ein Drittel. Diese Differenz von über 14 Prozentpunkten erklärt, warum die offiziellen Inflationsstatistiken oft nicht dem entsprechen, was die Verbraucher auf ihren Supermarktkassen sehen. Die deutsche Inflationsrate hat sich in letzter Zeit sogar abgeschwächt, wie wir bereits berichteten. Die deutsche Inflation ging auf 2.3 Prozent zurück.Die früheren Preiserhöhungen wurden jedoch nicht rückgängig gemacht. Das höhere Preisniveau wird bestehen bleiben.

Welche Lebensmittelpreise sind am stärksten gestiegen?

Die Antwort des Ministeriums schlüsselt auch auf, welche Produkte am schnellsten teurer geworden sind. Die stärksten Preisanstiege verzeichneten Geflügel, viele Milchprodukte, Eier, Speisefette und -öle sowie Zucker. Genau diese Grundzutaten finden sich in fast jeder Küche, weshalb die Preiserhöhungen selbst für sparsame Verbraucher kaum zu vermeiden sind.

Am anderen Ende der Skala stiegen einige Kategorien deutlich weniger stark als im Durchschnitt. Obst, Fisch und Getränke verzeichneten die geringsten Zuwächse, und laut t-online blieben auch Fertiggerichte vergleichsweise moderat. Die Berliner Zeitung merkte an, dass die Zahlen die durchschnittliche Entwicklung in ganz Deutschland widerspiegeln, sodass es Unterschiede zwischen einzelnen Geschäften und Regionen geben kann. Dennoch ist die Richtung überall dieselbe: Grundnahrungsmittel führten den Aufschwung an.

Die Linkspartei fordert Preiskontrollen

Für die Linkspartei beweisen die Zahlen, dass der Lebensmittelmarkt nicht im Sinne der Verbraucher funktioniert. Ina Latendorf, die lebensmittelpolitische Sprecherin der Partei und Initiatorin der Untersuchung, fordert eine staatliche Preisüberwachungsstelle, die den gesamten Weg vom Erzeuger über die Fabrik bis zum Supermarktregal nachverfolgen soll. Sie setzt sich außerdem für eine gesetzliche Obergrenze für die Gewinnmargen großer Lebensmittelkonzerne und die vollständige Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ein, die derzeit bei den meisten Lebensmitteln sieben Prozent beträgt.

Ein voller Einkaufskorb an der Kasse eines deutschen Supermarkts, Preisschilder an alltäglichen Lebensmitteln sind sichtbar.

Latendorf wirft der Bundesregierung vor, die Marktmacht der vier großen Supermarktketten, die den deutschen Lebensmitteleinzelhandel dominieren, nicht anzugehen, und warnte laut t-online vor einer neuen Preisspirale. Die Regierung hat bisher keinerlei Absicht gezeigt, Preisobergrenzen oder Margenkontrollen einzuführen. Ob die Forderungen umgesetzt werden, ist daher ungewiss, doch die Debatte um die Marktmacht der Supermärkte wird wohl so lange anhalten, wie die Preise auf diesem Niveau bleiben.

Warum die Lebensmittelpreise die Inflation überholt haben

Die Antwort des Ministeriums dokumentiert den Anstieg, ohne ihn jedoch vollständig zu erklären. Der betreffende Zeitraum war von mehreren Schocks geprägt, die die Lebensmittelproduktion besonders hart trafen. Die Pandemie unterbrach ab 2020 die Lieferketten, und Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022 trieb gleichzeitig die Kosten für Energie, Düngemittel und Getreide in die Höhe. Da Lebensmittelverarbeitung und -transport energieintensiv sind, schlugen sich diese Kosten deutlich in den Preisen im Einzelhandel nieder.

Kritiker argumentieren, dass dies nicht die ganze Wahrheit sei, da die Preise für einige Produkte selbst nach dem Rückgang der Energie- und Rohstoffkosten weiter stiegen. Genau dieser Verdacht bestärkt die Linkspartei in ihrer Forderung nach einer Kontrollstelle: Ohne transparente Daten zu den Gewinnspannen lässt sich nur schwer feststellen, inwieweit der Anstieg auf tatsächliche Kosten und inwieweit auf Preissetzungsmacht in einem hochkonzentrierten Einzelhandelsmarkt zurückzuführen ist.

Wie Expats die Auswirkungen abmildern können

Für Ausländer in Deutschland stellt sich die Frage, wie man angesichts der Preissteigerungen von über einem Drittel bei Grundnahrungsmitteln das Lebensmittelbudget im Griff behält. Die altbewährten deutschen Strategien funktionieren nach wie vor: Discounter wie Aldi, Lidl, Penny und Netto sind bei Artikeln des täglichen Bedarfs deutlich günstiger als Supermärkte mit Vollsortiment, Eigenmarken sind in der Regel deutlich günstiger als Markenprodukte, und wöchentliche Prospekte und Apps erleichtern die Planung von Einkäufen rund um Sonderangebote. Unser Ratgeber dazu Lebensmitteleinkauf in Deutschland erläutert diese Strategien im Detail.

Es lohnt sich auch, in den Kategorien einzukaufen, die am wenigsten gestiegen sind. Saisonales Obst, Fisch und einfache, unverarbeitete Zutaten sind im Vergleich zu stark verarbeiteten Produkten, Eiern und Milchprodukten relativ günstiger geworden. Da die Lebensmittelpreise derzeit politisch umstritten sind, sollten Expats auch die Mehrwertsteuerdebatte im Auge behalten: Sollte eine zukünftige Regierung den Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Grundnahrungsmittel senken, würden die täglichen Einkäufe über Nacht günstiger. Bis dahin bleibt der Vergleich von Geschäften und strategisches Einkaufen der zuverlässigste Weg, einer Preiserhöhung von 36 Prozent entgegenzuwirken.

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