Die deutsche Bundesregierung hat ihre Wirtschaftsprognose für 2025 auf Nullwachstum korrigiert. Damit verzeichnet Europas größte Volkswirtschaft das dritte Jahr in Folge kein Wachstum. Die aktualisierte Prognose des scheidenden Wirtschaftsministers Robert Habeck widerlegt frühere Regierungsschätzungen, die noch auf eine moderate Erholung gehofft hatten. Im Januar hatten Beamte noch ein BIP-Wachstum von 0.3 Prozent prognostiziert, erwarten nun aber stattdessen eine Stagnation.
Diese scharfe Abwärtskorrektur folgt auf einen Rückgang um 0.3 % im Jahr 2023 und einen weiteren Rückgang um 0.2 % im Jahr 2024. Experten warnen nun, dass selbst diese neue Nullprognose zu optimistisch sein könnte. Institutionen wie die Bundesbank und das Ifo-Institut deuten auf eine mögliche Fortsetzung der Rezession hin. Einige unabhängige Thinktanks gehen bestenfalls von einem minimalen Wachstum von 0.1 % aus.
US-Zölle als Wachstumstreiber verantwortlich gemacht
Der Hauptgrund für die Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten ist die aggressive Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Unter seiner Regierung wurden entweder umfassende Importzölle verhängt oder angedroht. Dies destabilisiert die globalen Märkte und trifft insbesondere Deutschlands exportstarke Wirtschaft hart.
Zu den schädlichsten Folgen zählen pauschale Einfuhrzölle von 10 Prozent auf alle Waren und spezifische Zuschläge von 25 Prozent auf Stahl, Aluminium und Autos – Sektoren, die für deutsche Exporte von zentraler Bedeutung sind. Insbesondere die Automobil- und Maschinenbauindustrie verzeichnet eine sinkende Nachfrage aus dem Ausland, die durch die Konkurrenz chinesischer Hersteller und die unsichere Zukunft der Handelsbeziehungen mit Russland noch verschärft wird.
Obwohl für bestimmte Produkte eine 90-tägige Aussetzung der Zölle angekündigt wurde, bleiben die Kernzölle in Kraft, was die wirtschaftliche Unsicherheit für deutsche Exporteure verlängert. Minister Habeck betonte, dass diese protektionistischen Maßnahmen Deutschland stärker treffen als viele seiner Partnerländer, da das Land stark vom Außenhandel abhängig sei. Die USA bleiben Deutschlands wichtigster Handelspartner, weshalb die aktuellen Spannungen besonders belastend seien.
Anhaltende Krise verschärft Probleme auf dem Arbeitsmarkt
Die enttäuschenden Zahlen folgen auf jahrelange wirtschaftliche Turbulenzen, die mit der Coronavirus-Pandemie begannen und sich über die Energie- und geopolitischen Krisen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine fortsetzten. Trotz erheblicher staatlicher Interventionen, darunter Hunderte von Milliarden Euro an Hilfsgeldern, haben sich die strukturellen Probleme der Wirtschaft nicht verbessert.
Der anhaltende Abschwung wirkt sich nun auch auf den Arbeitsmarkt aus. Die Frühjahrsprognose der Regierung geht für 2025 von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem Rückgang der Gesamtbeschäftigung aus. Die traditionell starke „Frühjahrsbelebung“ des Arbeitsmarktes ist in diesem Jahr ausgeblieben, was auf die Zurückhaltung der Unternehmen bei der Einstellung von Arbeitskräften angesichts der schwächeren Nachfrage und der hohen Unsicherheit zurückzuführen ist.
Neue Regierung steht unmittelbar unter Druck
Der erwartete Regierungswechsel, der voraussichtlich eine Große Koalition unter Führung von Friedrich Merz (CDU) und Lars Klingbeil (SPD) hervorbringen wird, legt den Schwerpunkt erneut auf die wirtschaftliche Erholung. Die Koalition hat bereits Pläne zur Ankurbelung des Wachstums vorgelegt, darunter günstigere Abschreibungsregeln und niedrigere Energiekosten für Unternehmen. Es wird jedoch nicht erwartet, dass diese Maßnahmen vor 2026 messbare Auswirkungen zeigen.
Für dieses Jahr prognostiziert die Regierung nun ein moderates Wachstum von 1.0 Prozent – verglichen mit 1.1 Prozent, die sie vor wenigen Monaten prognostiziert hatte. Private Wirtschaftsinstitute bleiben vorsichtiger und prognostizieren ein Wachstum von bis zu 1.3 Prozent, falls sich die internationalen Handelsbedingungen stabilisieren.
Inflation geht zurück, aber Herausforderungen bleiben bestehen
Die Inflation in Deutschland dürfte sinken und für eine gewisse Entspannung sorgen. Die Inflationsrate, die 2.2 bei 2024 % lag, dürfte 2.0 auf 2025 % und 1.9 weiter auf 2026 % sinken. Ökonomen der Regierung weisen darauf hin, dass die deflationären Effekte der geringeren Importnachfrage und der Verlagerung globaler Handelsströme – insbesondere wenn chinesische Exporteure Waren nach Europa umleiten – den Preisdruck weiter dämpfen könnten.
Dennoch dürfte Inflationskontrolle allein die schwache Industrieproduktion, die sinkenden Exporte und den trägen Arbeitsmarkt kaum kompensieren. Deutschlands wirtschaftliche Grundlagen bleiben sowohl durch inländische Ineffizienzen als auch durch unvorhersehbare globale Faktoren erschüttert, und eine schnelle Trendwende ist nicht in Sicht.
Handelsgespräche sind der Schlüssel
Das wirtschaftliche Schicksal Deutschlands hängt in naher Zukunft maßgeblich vom Ausgang der Handelsverhandlungen zwischen der EU und den USA ab. Ein Durchbruch könnte die Exportkrise lindern und den globalen Finanzmärkten etwas Stabilität verleihen. Bis dahin wird die Unsicherheit weiterhin schwer auf Unternehmensinvestitionen und Verbrauchervertrauen lasten.
Die neue Regierung steht nun vor der Herausforderung, langfristige Strukturreformen umzusetzen und gleichzeitig die unmittelbaren Folgen der protektionistischen US-Politik und der schwächelnden internationalen Nachfrage zu bewältigen.
