Deutschland hat die größte Reform seiner wichtigsten Sozialleistung seit Jahren eingeleitet. Ab dem 1. Juli 2026 wird das Bürgergeld durch die Grundsicherung ersetzt. Die Reform der Grundsicherung lässt die monatliche Grundzahlung unverändert, verschärft aber nahezu alle damit verbundenen Bedingungen – von Vermögensprüfungen bis hin zu den Strafen für das Versäumen von Terminen. Für Millionen von Menschen, die auf diese Leistung angewiesen sind, darunter viele Ausländer, ändern sich die Regeln im Arbeitsamt.
Was die Grundsicherungsreform verändert
Die Zahl bleibt unverändert. Laut Bundesregierung beträgt der monatliche Grundsicherungssatz für Alleinstehende weiterhin 563 Euro, der Betrag, der monatlich auf den Konten landet, sinkt also nicht. Geändert hat sich die Situation bei den Bedingungen für die Auszahlung. Die Regierung beschreibt den neuen Ansatz mit der alten Formel „Fordern und Fördern“ und erklärt, das Gleichgewicht habe sich deutlich zugunsten der Nachfrage verschoben.
Die unmittelbarste Änderung betrifft Ersparnisse. Unter dem Bürgergeld hatten Neubezieher eine einjährige Karenzzeit, in der ihr Vermögen weitgehend unberührt blieb. Die Bundesregierung bestätigt, dass dieser einjährige Schutz abgeschafft wird. Stattdessen wird die Höhe des geschützten Vermögens, des sogenannten Schonvermögens, an das Alter gekoppelt, und Vermögensprüfungen erfolgen ab dem ersten Tag der Leistungsbeantragung statt erst nach zwölf Monaten.
Härtere Sanktionen im Rahmen des neuen Systems
Sanktionen sind der schärfste Bestandteil der Grundsicherungsreform. Die Bundesregierung erklärt, dass Personen, die eine vereinbarte Maßnahme abbrechen oder die Teilnahme verweigern, für jeden Verstoß mit einer einheitlichen Kürzung ihrer Leistungen um 30 Prozent für drei Monate rechnen müssen. Dies stellt eine deutliche Verschärfung gegenüber dem zuvor geltenden, abgestuften System dar.
Versäumte Termine werden nun strenger geahndet. Laut Regierung bleibt ein erster versäumter Termin beim Jobcenter zwar straffrei, doch ab dem zweiten kann es zu einer Kürzung der Leistungen um 30 Prozent für einen Monat kommen. Wer drei Termine in Folge versäumt, muss mit einem abgestuften Verfahren rechnen, das im schlimmsten Fall zum vollständigen Verlust der Leistungen, einschließlich des Mietzuschusses, führen kann. Der Deutsche Bundestag hat diese strengeren Regelungen im Zuge der Gesetzesdebatte Anfang des Jahres beschlossen.
Platzierung Erste Rückgaben
Die Reform belebt auch den Vermittlungsvorrang wieder. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass das Jobcenter Menschen vorrangig zu verfügbaren Arbeitsplätzen drängen soll, noch vor längeren Weiterbildungen oder Qualifizierungen. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt, die Reform stärke die Priorität der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche und mache die Mitwirkungspflichten verbindlicher.
Es gibt weitere Einschränkungen im Bereich Familienleben. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Arbeitsverpflichtung für Eltern nun bereits ab einem Alter von 14 Monaten gilt, statt wie bisher ab drei Jahren. Zudem werden Wohnkosten während einer Übergangsphase nur noch bis zum 1.5-Fachen des üblichen Bedarfs übernommen. Insgesamt sollen diese Maßnahmen mehr Menschen schneller von Sozialleistungen in bezahlte Arbeit überführen.

Wie die Grundsicherungsreform Ausländer trifft
Die Zahlung erreicht eine sehr große Gruppe. Laut Berichten von Medien wie IamExpat beziehen mehr als fünf Millionen Menschen diese Leistung, darunter ein erheblicher Anteil Nicht-Deutsche, insbesondere Flüchtlinge aus der Ukraine. Aus diesem Grund trifft die Reform der Grundsicherung Teile der ausländischen Gemeinschaft besonders hart und ist Teil einer breiteren politischen Debatte über Einwanderung und Sozialleistungen in Deutschland geworden.
Für Leistungsbezieher bedeutet dies konkret, dass Fehler nun teurer werden. Das Übersehen eines Schreibens, das Versäumen der Meldung von Ersparnissen oder das Versäumen eines Termins können zu schnelleren und drastischeren Kürzungen als zuvor führen. IamExpat merkt an, dass der monatliche Betrag zwar gleich bleibt, die Regeln und Sanktionen für Verstöße gegen die Bestimmungen jedoch generell strenger geworden sind. Wer neu im System ist, sollte alle Mitteilungen des Jobcenters sorgfältig lesen, da Fristen nun von Anfang an strikt eingehalten werden.
Was das für Expats bedeutet
Wenn Sie Leistungen beziehen oder erwarten, diese zu beantragen, sollten Sie jeden Termin beim Jobcenter und jede Anfrage als verbindlich betrachten. Führen Sie Buch über Ihre Ersparnisse, antworten Sie fristgerecht auf Schreiben und nehmen Sie an Terminen teil, auch wenn Sie diese für Routine halten, denn die neue Kürzungsregelung belohnt nichts mehr als die bloße Anwesenheit. Wenn Sie sich nicht sicher sind, warum sich eine Zahlung geändert hat, fragen Sie schriftlich beim Jobcenter nach dem Grund, damit Sie einen Nachweis haben.
Neuankömmlinge, die sich noch einleben müssen, sollten sich auch unabhängige Beratung einholen, beispielsweise bei einer örtlichen Sozialberatungsstelle oder einem Sozialverband. Unser Leitfaden zur Eingewöhnung in Deutschland unter welivein.de/how-to-germany ist ein guter Ausgangspunkt, um zu verstehen, wie sich Ämter wie das Jobcenter hier in den Alltag einfügen. Die Grundsicherungszahlung ist nicht gesunken, aber im Zuge der Reform der Grundsicherung hat sich der Spielraum für Fehler deutlich vergrößert.
