Vermächtnis eines visionären Unternehmers
Günther Fielmann, bekannt als Gründer der größten Optikerkette Deutschlands und Pionier der Brillenbranche, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Sein Tod markiert das Ende einer Ära für das Optikerimperium Fielmann, ein Unternehmen, das die Optik neu gestaltete Markt in Deutschland und darüber hinaus. Fielmann starb friedlich in seinem Haus im schleswig-holsteinischen Lütjensee im Kreise seiner Familie.
Ein Imperium von Grund auf aufbauen
Fielmanns Weg von einem bescheidenen Anfang zur Gründung eines Imperiums ist eine Geschichte von Einfallsreichtum und Entschlossenheit. Sein erstes Geschäft eröffnete er 1972 im Alter von 33 Jahren im niedersächsischen Cuxhaven. Dieser Schritt revolutionierte die damals etwas stagnierende Optikerbranche. Das Geschäftsmodell von Fielmann, das die Kundenzufriedenheit über hohe Margen stellte, veränderte die Branche rasch. Ihm wird der innovative Ansatz zugeschrieben, anstelle der üblichen, subventionierten „Kassenbrille“ eine breite Palette moderner Brillenmodelle anzubieten. Seine Strategie bot den Kunden nicht nur mehr Auswahl, sondern veränderte auch die Wahrnehmung von Brillen in der Gesellschaft erheblich.
Expansion und Innovation
Unter Fielmanns Führung erlebte das Unternehmen ein phänomenales Wachstum. Es expandierte in ganz Deutschland und später auch international und konzentrierte sich hauptsächlich auf die Schweiz, Österreich, Norditalien und Slowenien. Im März 2023 verfügte die Fielmann AG weltweit über 977 Niederlassungen, beschäftigte über 22,000 Mitarbeiter, betreute 27 Millionen Kunden und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von knapp 1.8 Milliarden Euro. Fielmanns Vision ging über den Einzelhandel hinaus, denn das Unternehmen wurde auch zum Brillenhersteller mit einem Produktionszentrum im brandenburgischen Rathenow.
Übergang und Philanthropie
Im Jahr 2019 schied Günther Fielmann aus dem Vorstand des Unternehmens aus und übergab die Führung an seinen Sohn Marc. Nach seiner Pensionierung widmete er sich dem ökologischen Landbau und der Philanthropie. Fielmann besaß drei Bauernhöfe in Schleswig-Holstein, wo er Pferde, Rinder und Schafe züchtete, und investierte intensiv in die Öko-Landwirtschaft und produzierte über 2,300 Bio-Produkte. Seine Beiträge erstreckten sich bis zur Renovierung von Schloss Plön, wo Optiker für die Branche ausgebildet werden. Fielmanns philanthropisches Engagement erstreckte sich über verschiedene Bereiche, darunter Bildung, Wissenschaft, Kultur, Ökologie und Naturschutz. Er war auch dafür bekannt, jedes Jahr für jeden seiner Mitarbeiter einen Baum zu pflanzen, was sein Engagement für den Umweltschutz widerspiegelte.
Erinnerung an den Pionier
Von verschiedenen Seiten kamen Ehrungen, die Fielmann für seinen visionären Geist, seine kundenorientierte Philosophie und seinen Beitrag zur gesamten deutschen Wirtschaft würdigten. Mark Binz, Aufsichtsratsvorsitzender des Fielmann-Konzerns, bezeichnete ihn als „Jahrhundertunternehmer und Visionär“ und lobte seinen strategischen Weitblick und sein Engagement für die Bedürfnisse der Kunden. Daniel Günther, der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, erinnerte sich an Fielmann als leidenschaftlichen Förderer, Kulturliebhaber, Naturschützer und brillanten Ideengeber, der stets das Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt stellte.
Der Tod von Günther Fielmann ist nicht nur der Verlust eines erfolgreichen Unternehmers, sondern auch eines Visionärs, der die Brillenbranche und die Gesellschaft insgesamt nachhaltig geprägt hat. Sein Leben und Werk sind ein Beweis dafür, welchen Einfluss ein Einzelner auf eine Branche und eine Gesellschaft haben kann.
