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Sprachtests für alle Vierjährigen geplant

by WeLiveInDE
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Auf einem Kindergartentisch liegen Bildkarten mit einfachen Gegenständen neben Buntstiften und einem Teddybären – Materialien, die typischerweise bei frühen Sprachtests verwendet werden.

Laut einem Gesetzentwurf von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), über den die dpa Mitte Juli 2026 berichtete, sollen künftig alle Vierjährigen in Deutschland standardisierte Deutschtests absolvieren. Das geplante Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz sieht erstmals eine bundesweite Überprüfung aller Kinder nach einheitlichen Standards vor, auch derjenigen, die keine Kita besuchen. Das Projekt soll bis 2034 mit 9.25 Milliarden Euro Bundesmitteln gefördert werden.

Warum Berlin Sprachtests für alle Kinder will

Das Problem, das der Gesetzentwurf angeht, ist hinlänglich bekannt: Laut dpa-Berichten, die unter anderem von der Rhein-Neckar-Zeitung aufgegriffen wurden, spricht bis zu ein Drittel der Schulanfänger in Deutschland nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht vom ersten Tag an folgen zu können. Lücken, die vor der ersten Klasse entstehen, vergrößern sich in der Regel im Laufe der gesamten Schulzeit. Deshalb will das Ministerium Probleme schon Jahre vor der Einschulung erkennen und beheben.

Heute ist es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, ob und wie ein Kind untersucht wird. Manche Bundesländer testen umfassend, andere kaum, und Kinder außerhalb der Kindertagesstätten werden oft gar nicht erfasst. Das neue Gesetz würde dieses Flickwerk durch Sprachtests und Entwicklungsüberprüfungen ersetzen, die in ganz Deutschland einheitlichen Standards entsprechen und im Alter von vier Jahren durchgeführt werden. Dadurch blieben etwa zwei Jahre für gezielte Förderung bis zum Schuleintritt.

Was der Gesetzesentwurf vorsieht

Der juristische Nachrichtendienst LTO, der den Entwurf geprüft hat, berichtet, dass den Kitas ein festes Zeitbudget für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt würde: etwa zwei Stunden pro Kind für die eigentliche Beurteilung und mindestens 30 Minuten pro Woche und Kind für die Planung und Durchführung der anschließenden Unterstützung. Die Teilnahme an den Tests wäre verpflichtend, und auch Kinder, die keiner Kita angehören, würden zu einer Beurteilung eingeladen.

Die Mittel werden dort eingesetzt, wo der Bedarf am größten ist. Mindestens zehn Prozent der Kindertagesstätten in jedem Bundesland, ausgewählt aufgrund ihres Anteils an Kindern aus einkommensschwachen Haushalten, nicht-deutschsprachigen Familien oder mit Entwicklungsverzögerungen, erhalten zusätzliche Personalstunden – je nach Größe der Einrichtung zwischen 20 und 60 zusätzlichen Stunden pro Woche. Die Testergebnisse könnten auch mit den Grundschulen geteilt werden, um die Unterstützung während des Übergangs fortzusetzen.

Sprachtests allein reichen nicht aus, warnen Kritiker.

Die Zustimmung zu einer Früherkennung ist weit verbreitet, doch Experten bezweifeln, ob die notwendige Unterstützung auch tatsächlich gewährleistet werden kann. Waltraud Weegmann, Vorsitzende des Deutschen Kitaverbands, weist auf einen strukturellen Mangel hin: Gerade die Kinder, die am dringendsten auf die deutsche Sprache angewiesen sind, kommen oft erst spät in die Kita, finden gar keinen Platz oder können sich die Kosten nicht leisten. „Damit alle Kinder mit guten Deutschkenntnissen in die Schule starten können, müssen wir sicherstellen, dass sie so früh wie möglich in die Kita kommen“, sagte sie.

Eine Sprachtherapeutin sitzt auf einem kleinen Stuhl und schaut sich gemeinsam mit einem Vorschulkind in einem hellen Kita-Raum ein Bilderbuch an.

Die Gewerkschaften im Bildungsbereich äußern eine ähnliche Besorgnis: Sprachförderung hängt letztlich von qualifiziertem Personal ab, und die Kitas haben in vielen Regionen bereits jetzt Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Weegmann warnte zudem davor, angesichts sinkender Geburtenraten zu sparen, und argumentierte, dass die freigewordenen Kapazitäten in Qualität investiert und nicht gekürzt werden sollten. Ein Test, der ein Defizit aufdeckt, nützt niemandem, so Kritiker, wenn anschließend kein Kurs, kein Platz und keine Lehrkraft zur Verfügung steht.

Nicht dasselbe wie die ABC-Klassen in NRW.

Der Bundesplan sollte nicht mit einem separaten Gesetz in Nordrhein-Westfalen verwechselt werden, das sogenannte ABC-Klassen einführt – spezielle Vorschulklassen an Grundschulen für Kinder, die bei der Einschulung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Wir haben dieses Landesprogramm in unserem Artikel ausführlich behandelt. NRWs ABC-Sprachkurse.

Die beiden Ansätze greifen an unterschiedlichen Punkten: NRW interveniert erst bei Schuleintritt, nachdem die Lernlücke bereits entstanden ist, während Priens Entwurf zwei bis drei Jahre früher, in der Kita-Phase, ansetzt, damit weniger Kinder überhaupt auf Förderkurse angewiesen sind. Sollte das Bundesgesetz verabschiedet werden, würden beide Systeme parallel existieren, und die Ergebnisse von Screenings ab dem vierten Lebensjahr könnten lange vor einer Schulwahl darüber entscheiden, welche Kinder Unterstützung erhalten.

Was Eltern von Einwanderern erwarten sollten

Für Familien, die ihre Kinder in einer anderen Muttersprache erziehen, bedeutet dies konkret: Sobald das Gesetz in Kraft tritt, erhalten Sie voraussichtlich um den vierten Geburtstag Ihres Kindes eine Einladung zu den Sprachtests – unabhängig davon, ob Ihr Kind eine Kita besucht. Der Gesetzentwurf muss noch vom Kabinett und vom Bundestag verabschiedet werden, daher steht der Starttermin noch nicht fest. Die Finanzierung ist jedoch bis 2034 gesichert. Mehrsprachigkeit ist kein Problem, das sich durch einen Test beheben lässt; die Überprüfung misst lediglich, ob die Deutschkenntnisse für die Schule ausreichend sind.

Die beste Vorbereitung ist der frühe Besuch einer Kindertagesstätte, da die Kita nach wie vor der wichtigste Ort ist, an dem Kinder auf natürliche Weise Deutsch lernen. In vielen Städten gibt es lange Wartelisten, daher sollten Sie sich früher anmelden, als Sie es für nötig halten, und sich nach Fördermöglichkeiten erkundigen; unsere Ratgeber helfen Ihnen dabei. Kinder- und Familienleistungen und der Deutsches Bildungssystem Erklären Sie, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt und wie der Weg von Kita zur Schule funktioniert. Wenn Ihr Kind für Unterstützung vorgesehen ist, bedeutet das zusätzliche Hilfe ohne Kosten und keine Belastung für die Familie.

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