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NRW macht ABC-Sprachkurse verpflichtend

by WeLiveInDE
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Ein helles Grundschulklassenzimmer mit Buchstabenformen auf einer grünen Tafel, bereit für den neuen ABC-Sprachunterricht in NRW.

Nordrhein-Westfalen hat eine der weitreichendsten Schulreformen Deutschlands seit Jahren verabschiedet. Am 16. Juli 2026 stimmte der Landtag in Düsseldorf einem Gesetz zu, das die sogenannten ABC-Klassen einführt – verpflichtende ABC-Sprachkurse für Vorschulkinder, deren Deutschkenntnisse für die erste Klasse als unzureichend gelten. Ab Frühjahr 2028 wird jedes Kind in NRW vor dem Schuleintritt einen standardisierten Sprachtest absolvieren, und ab dem Schuljahr 2028/29 werden voraussichtlich jährlich rund 50,000 Kinder die neuen Pflichtkurse besuchen. Für Familien mit Migrationshintergrund verändert dies den Übergang in die Grundschule erheblich.

Was das neue Gesetz besagt

Die Reform reagiert auf ein Problem, das Schulen seit Jahren kennen: Rund jedes dritte Kind in Nordrhein-Westfalen kommt mit erheblichen Defiziten in der deutschen Sprache in die Schule. Da es in Nordrhein-Westfalen keine Kita-Pflicht gibt, erreichen Tausende von Kindern das Schulalter, ohne jemals in einer deutschsprachigen Gruppe gewesen zu sein. Das neue Gesetz soll genau diese Kinder erreichen, bevor sie zum ersten Mal ein Klassenzimmer betreten.

Zwei Elemente sind zentral. Erstens ein einheitlicher Sprachtest: Ab Frühjahr 2028 werden alle Kinder im Jahr vor Schulbeginn nach demselben Verfahren getestet. Damit wird das bisherige Flickwerk lokaler Tests ersetzt. Zweitens die ABC-Klassen selbst: Kinder, deren Test einen deutlichen Förderbedarf aufzeigt, müssen einen Sprachkurs an einer Grundschule besuchen, unabhängig davon, ob sie eine Kindertagesstätte besuchen. Die Teilnahme ist verpflichtend; die Kurse werden für Kinder, die ab dem 1. August 2029 schulpflichtig sind, Teil der Schulpflicht.

So funktionieren die ABC-Sprachkurse

Die ABC-Sprachkurse finden ein Jahr lang vor der Einschulung statt und umfassen zwei jeweils zweistündige Einheiten pro Woche. Die Kurse werden an Grundschulen angeboten und bereiten die Kinder auf die im Unterricht verwendete Sprache vor: Anweisungen verstehen, Wortschatz erweitern und sich mit Buchstaben und Lauten vertraut machen. Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) präsentierte das Modell als Möglichkeit, jedem Kind einen fairen Start in die erste Klasse zu ermöglichen.

Kleine Kinder spielen auf dem Teppich im Klassenzimmer ein Wortzuordnungsspiel, während eine Lehrerin sie beim Deutschüben unterstützt.

Das Ausmaß ist beträchtlich. Laut Zahlen von t-online rechnet der Staat mit rund 1,650 zusätzlichen Lehrerstellen, die teilweise mit sozialpädagogischem Personal besetzt werden können, und etwa 108 Millionen Euro jährlich allein für den Transport der Kinder zu den Kursorten. Da viele der betroffenen Kinder weit von der nächstgelegenen teilnehmenden Schule entfernt wohnen, muss der Staat zweimal wöchentlich einen Busshuttle für Vier- und Fünfjährige organisieren – ein Punkt, der heftige Kritik hervorgerufen hat.

Wer dafür gestimmt hat – und wer davor warnt

Die Abstimmung selbst sorgte für politisches Aufsehen. Das Gesetz wurde mit den Stimmen der regierenden CDU und der Grünen sowie mit der Unterstützung der AfD verabschiedet, während SPD und FDP dagegen stimmten, wie MiGAZIN und andere Medien berichteten. Die FDP-Bildungspolitikerin Franziska Müller-Rech nannte das Projekt eine „unglaubliche Enttäuschung“ und spottete über den Plan als ein Programm teurer Busfahrten anstatt echter Frühförderung.

Wohlfahrtsverbände äußern sich noch kritischer. Christian Woltering vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, einem der größten Wohlfahrtsverbände Deutschlands, bezeichnete die ABC-Klassen als fachlich fragwürdige Parallelstruktur und argumentierte, dass gerade die Fachkräfte in Kindertagesstätten für die Betreuung von Kindern in dieser sensiblen Entwicklungsphase ausgebildet seien. Ein breites Bündnis aus Kindertagesstätten, Elternvertretern und Gewerkschaften hatte das Parlament dringend aufgefordert, das Gesetz zu stoppen. Sie warnten davor, dass das Hin- und Herpendeln von Zehntausenden Vorschulkindern zwischen verschiedenen Einrichtungen pädagogisch bedenklich sei und die Trennung der Kinder in separate Klassen die Gefahr berge, sie zu stigmatisieren.

Warum ABC-Sprachkurse für Einwandererfamilien wichtig sind

Familien, die zu Hause wenig oder gar kein Deutsch sprechen, sind am stärksten betroffen. Wenn Ihr Kind ab dem 1. August 2029 schulpflichtig wird, erhalten Sie voraussichtlich im Frühjahr 2028 oder später eine offizielle Einladung zum standardisierten Sprachtest. Ein Kind, das den Test besteht, kann regulär eingeschult werden. Ein Kind mit festgestelltem Förderbedarf muss zusätzlich zur bestehenden Kindertagesstätte ein Jahr lang die ABC-Sprachkurse besuchen.

Wichtig zu wissen: Die Teilnahme am Kurs ist eine gesetzliche Pflicht, vergleichbar mit dem Schulbesuch selbst. Familien können sich daher nicht einfach abmelden. Der Staat organisiert und bezahlt bei Bedarf den Transport. Eine Fremdsprache zu Hause ist an sich kein Problem; der Test misst die Deutschkenntnisse, und der Kurs dient genau diesem Zweck: diese vor der ersten Klasse aufzubauen. Eltern, die sich vorbereiten möchten, können sich bei ihrer Kita nach bereits bestehenden Sprachförderangeboten erkundigen.

Was Expat-Eltern in NRW jetzt tun sollten

Es besteht kein sofortiger Handlungsbedarf; die ersten Tests finden erst in fast zwei Jahren statt. Dennoch sollten Eltern von Kleinkindern in NRW das neue System in ihre Planung einbeziehen. Ein Kita-Platz ist nach wie vor die beste Vorbereitung, denn Kinder, die ab drei Jahren täglich Deutsch hören, benötigen selten einen Pflichtkurs. Wie die Schulanmeldung im Allgemeinen funktioniert, erklären wir in unserem Leitfaden. Primar- und Sekundarbildung in Deutschland.

Es ist auch wichtig zu verstehen, wo die ABC-Klassen im Gesamtsystem angesiedelt sind: Die deutsche Schullandschaft unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, und Nordrhein-Westfalen ist bisher das einzige Bundesland mit diesem spezifischen Modell. Überblick über das deutsche Bildungssystem Das Programm deckt die Stufen von Kita bis Abitur ab. Ob die ABC-Sprachkurse Ungleichheiten abbauen oder neue Hürden schaffen, wird sich erst zeigen, wenn der erste Jahrgang 2028 startet; die Debatte in Düsseldorf ist jedenfalls noch nicht beendet.

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