Ein Umzug in ein neues Land kann dazu führen, dass man das gewohnte soziale Netzwerk der Heimat verliert. Für viele Neuankömmlinge ist der Zugang zu einer Glaubensgemeinschaft oder einer spirituellen Gemeinschaft einer der schnellsten Wege, Menschen zu finden, die sie willkommen heißen. Dieses Kapitel hilft Ihnen dabei, zwei Dinge gleichzeitig zu erreichen: zu verstehen, wie religiöse Gemeinschaften in Deutschland in der Praxis funktionieren, und sie als Weg zu einem Gefühl der Zugehörigkeit zu nutzen – egal, ob Sie gläubig sind, still suchen oder einfach nur einen Ort der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten suchen. Es richtet sich an alle Leser, insbesondere an die vielen Menschen in Deutschland, die keiner Religion angehören.
Wir behandeln zunächst das Thema, das fast jeden Ausländer überrascht – die deutsche Kirchensteuer – und stellen Ihnen anschließend die wichtigsten Glaubensgemeinschaften vor: die katholische und die evangelische Kirche, den Islam, das Judentum sowie die vielen kleineren religiösen und spirituellen Gruppen. Dabei weisen wir auch auf die englischsprachigen und internationalen Gemeinden hin, die es in den meisten größeren Städten gibt, und kehren immer wieder zu der praktischen Frage zurück, die Ihnen bei Ihrer Ankunft am wichtigsten ist: Wie finden Sie Ihre Gemeinde und wie treten Sie ihr bei? Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung; es handelt sich um eine leicht verständliche Orientierung, damit Sie wissen, was Sie erwartet und an wen Sie sich wenden können.
Kirchensteuer: Die Kirchensteuer, die jeden Neuankömmling überrascht
Das Wichtigste, was man über Religion in Deutschland wissen sollte, ist der finanzielle Aspekt, und genau daran scheitern viele. Deutschland erhebt eine Kirchensteuer von den registrierten Mitgliedern bestimmter Religionsgemeinschaften. Wenn Sie offiziell Mitglied einer steuerpflichtigen Religionsgemeinschaft sind – der römisch-katholischen Kirche, den evangelischen Landeskirchen unter dem Dachverband der EKD, den jüdischen Gemeinden und einigen kleineren Gemeinschaften –, berechnet das Finanzamt automatisch einen Zuschlag zu Ihrer Einkommensteuer. Dieser beträgt 8 Prozent Ihrer Einkommensteuer in Bayern und Baden-Württemberg und 9 Prozent in allen anderen Bundesländern. Beachten Sie, dass es sich hierbei um einen Prozentsatz Ihrer bereits geschuldeten Steuer handelt, nicht um 8 oder 9 Prozent Ihres Gehalts. Bei einem normalen Berufseinkommen summiert sich dies dennoch auf mehrere hundert Euro im Jahr und wird automatisch zusammen mit Ihren übrigen Steuern von Ihrem Gehalt abgezogen.
Hier tappen viele Neuankömmlinge in die Falle. Bei der Anmeldung, der obligatorischen Registrierung Ihres Wohnsitzes beim Bürgeramt, gibt es ein Feld für Ihre Religionszugehörigkeit. Tragen Sie dort eine steuerpflichtige Konfession ein – viele tun dies ehrlich, weil sie es für eine harmlose Volkszählungsfrage halten –, melden Sie sich als zahlendes Mitglied an, und die Kirchensteuer wird automatisch aktiviert. Viele Expats bemerken dies erst, wenn auf ihrer ersten deutschen Gehaltsabrechnung eine Kirchensteuerzeile erscheint, der sie nie zugestimmt haben. Wenn Sie die Kirchensteuer nicht zahlen möchten, ist die Lösung einfach: Lassen Sie das Feld für die Religionszugehörigkeit leer oder tragen Sie „keine“ ein. Die Nichtregistrierung einer Religionszugehörigkeit hat keinen Einfluss darauf, ob Sie Gottesdienste besuchen, Feste feiern oder am Gemeindeleben teilnehmen können – sie beeinflusst lediglich, ob der Staat die Steuer für die Kirche einzieht.
Wenn Sie bereits registriert sind und die Kirchensteuer abgebucht wird oder wenn Sie die Zahlung einstellen möchten, heißt der formale Schritt Kirchenaustritt – eine rechtliche Erklärung, dass Sie aus steuerlichen und bürgerlichen Gründen aus der Kirche austreten. Sie geben diese Erklärung persönlich ab. Wo Sie sich hinwenden, hängt vom jeweiligen Bundesland ab: In den meisten Bundesländern ist es das Standesamt, in anderen das zuständige Amtsgericht. Sie bringen Ihren Personalausweis und gegebenenfalls Ihre Heiratsurkunde mit und zahlen eine geringe Verwaltungsgebühr, die je nach Bundesland von null (Bremen und Brandenburg erheben keine Gebühr) bis zu etwa 30 bis 35 Euro in anderen Bundesländern variiert. Die Erklärung hat tatsächliche bürgerliche Wirkung: Das Finanzamt stellt die Erhebung der Kirchensteuer ein, in der Regel zum Ende des Monats, in dem Sie die Erklärung abgeben, oder kurz danach. Es handelt sich um einen bürokratischen Akt, nicht um ein Bekenntnis zu Ihrem persönlichen Glauben – viele Menschen, die sich weiterhin als gläubig betrachten, treten formell aus, um die Zahlung einzustellen, und viele, die ihren Glauben nie praktiziert haben, bleiben registriert, ohne darüber nachzudenken. Eine praktische Konsequenz, die es zu bedenken gilt, ist, dass einige Kirchen die Mitgliedschaft an Leistungen wie eine kirchliche Hochzeit, die Übernahme einer Taufpatenrolle oder eine religiöse Beerdigung knüpfen. Daher ist es ratsam, sich vor der Anmeldung darüber zu informieren, was die eigene Gemeinde erwartet.
Da die Formalitäten je nach Bundesland unterschiedlich sind und viele Schwierigkeiten bereiten, führt Sie der Kirchenaustrittshelfer auf Werkzeu.ge durch die spezifischen Schritte der Erklärung und der Terminvereinbarung in Ihrem Bundesland und unterstützt Sie bei der Vorbereitung des Antrags. Er erstellt und generiert das Dokument, reicht es aber nicht für Sie ein, sodass Sie die Erklärung weiterhin persönlich abgeben müssen. Werkzeu.ge ist eine browserbasierte Toolbox von Cryon UG, dem Unternehmen hinter WeLiveIn.de. Der Kirchenaustrittshelfer ist ein kostenpflichtiges (Plus-)Tool. Den Funktionsumfang der aktuellen Version können Sie einsehen. Preis SeiteWie sich die Kirchensteuer auf Ihre Gesamtsteuerbelastung auswirkt – die genaue Berechnung, Ihre Steuerklasse und die Ermittlung des Zuschlags – erfahren Sie in unserem Kapitel über Deutsche Steuern verstehen ist der richtige Ort dafür; dieses Kapitel beschränkt sich bewusst darauf, was die Steuer für Sie als Mitglied bedeutet, und überlässt die Details den Steuerleitfäden.
Die christlichen Kirchen: Katholische, Protestantische und Freikirchen
Das Christentum ist nach wie vor die größte Religionsgemeinschaft in Deutschland und teilt sich hauptsächlich in die römisch-katholische Kirche und die evangelischen Kirchen auf, die im Dachverband der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) organisiert sind. Grob gesagt ist der Katholizismus im Süden und Westen – Bayern, Rheinland – stärker vertreten, während die evangelische Tradition im Norden und in der Mitte präsenter ist. In jeder größeren Stadt gibt es jedoch beide Konfessionen. Die örtliche Einheit, von der Sie hören werden, ist die Gemeinde, die Pfarrei oder Kirchengemeinde, die zu einem bestimmten Kirchengebäude gehört. Ihre Gemeinde zu finden ist ganz einfach: Suchen Sie nach der nächstgelegenen katholischen oder evangelischen Gemeinde in Ihrem Bezirk. Auf den Webseiten der Gemeinden finden Sie die Gottesdienstzeiten. Die meisten heißen Neuankömmlinge ohne jegliche Formalitäten willkommen. Sie müssen kein registriertes, steuerzahlendes Mitglied sein, um Gottesdienste zu besuchen, in einem Chor mitzusingen oder Ihre Kinder zu Aktivitäten mitzubringen.
Für Englischsprachige gibt es eine gute Nachricht: In den meisten größeren Städten und Universitätsstädten finden sich Gemeinden, die Gottesdienste teilweise oder vollständig auf Englisch abhalten. Die anglikanische Kirche unterhält anglikanische Seelsorgeeinrichtungen in Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Köln und Bonn, die oft an ein internationales, wechselndes Publikum gewöhnt sind. Die katholische Kirche betreibt internationale oder muttersprachliche Gemeinden in den größeren Städten, die englische, spanische, polnische, italienische und andere Sprachgemeinschaften betreuen. Es gibt amerikanische und internationale protestantische Kirchen sowie eine wachsende Zahl freier evangelikaler und charismatischer internationaler Kirchen – darunter das Netzwerk der International Christian Fellowship (ICF) und verschiedene Freikirchen –, die ihre Angebote gezielt auf Neuankömmlinge und junge Berufstätige ausrichten. Diese Gemeinden sind oft der einfachste Ort für einen neu angekommenen Christen, um Anschluss zu finden, eben weil alle anderen im Raum ebenfalls von irgendwoher zugezogen sind.
Die Freikirchen sind die protestantischen Gemeinden außerhalb der EKD-Struktur – Baptisten, Methodisten, Pfingstler, die Evangelische Freikirche und andere. Sie finanzieren sich in der Regel selbst und sind unabhängig vom Kirchensteuersystem. Sie pflegen ein enges und aktives Gemeindeleben und sind häufig mehrsprachig. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten sind die Kirchen durch ihre sozialen Einrichtungen fest in das deutsche Gesellschaftsleben eingebunden: Caritas, die katholische Hilfsorganisation, und die Diakonie, ihr evangelisches Pendant, gehören zu den größten Arbeitgebern im Sozialbereich und betreiben Kindergärten, Pflegeheime, Beratungsstellen, Migrationsberatungsstellen und Tafeln, die allen Menschen unabhängig von ihrer Konfession offenstehen. Der Jahresrhythmus wird weiterhin von christlichen Festen geprägt – Weihnachten mit seinen beliebten Weihnachtsmärkten und Ostern –, die zu den Höhepunkten des Gemeindelebens zählen und Gläubigen wie Nichtgläubigen gleichermaßen offenstehen.
Islam: Moscheen und das Leben in muslimischen Gemeinschaften
Der Islam ist die zweitgrößte Religion in Deutschland. Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung wird üblicherweise auf fünf bis sechs Prozent geschätzt – mehrere Millionen Menschen. Viele dieser Gemeinschaften gehen auf türkisch-deutsche Familien zurück, die ab den 1960er Jahren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland kamen und sich hier niederließen, um sich ein Leben aufzubauen und Familien zu gründen. Hinzu kommen spätere Zuwanderer aus der arabischen Welt, dem Balkan, dem Iran und anderen Ländern. So ist eine große, etablierte und intern vielfältige muslimische Gemeinschaft entstanden, die sich vor allem in den Moscheen und islamischen Kulturzentren zeigt, welche das Gemeindeleben in fast jeder deutschen Stadt prägen.
Die Moscheen hier reichen von schlichten Gebetsräumen in umgebauten Gebäuden bis hin zu großen, eigens errichteten Komplexen mit Kuppeln und Minaretten. Viele gehören Dachverbänden an, der größte davon ist die DITIB (Türkisch-Islamische Union für Religiöse Angelegenheiten), die einen Großteil der Moscheen des Landes betreibt. Andere sind Verbänden wie dem Islamrat, dem Zentralrat der Muslime oder unabhängigen und arabischsprachigen Gemeinden angeschlossen. Das Freitagsgebet (Freitagsgebet oder Jumu'ah) ist der wichtigste wöchentliche Gottesdienst. Moscheen beherbergen in der Regel auch Koranunterricht, Sprachkurse, Jugendgruppen und gesellschaftliche Veranstaltungen und sind somit nicht nur Gebetsstätten, sondern auch wichtige Treffpunkte der Gemeinde. Während des Ramadan und der Eid-Feste wird dieses Gemeindeleben besonders deutlich, mit gemeinsamen Mahlzeiten nach Sonnenuntergang und Feierlichkeiten, die oft weit über die Moschee hinausreichen.
Für neu angekommene Muslime – oder neugierige Besucher – ist es am einfachsten, die nächstgelegene Moschee oder das nächste Islamische Zentrum aufzusuchen und einfach Kontakt aufzunehmen. Die meisten heißen Neuankömmlinge willkommen, und in größeren Städten wie Berlin, Frankfurt, München und Köln gibt es Gemeinden und studentische islamische Vereinigungen, die neben Deutsch und Türkisch auch Englisch oder Arabisch sprechen. Universitätsstädte haben oft muslimische Studentenvereinigungen, die sich besonders um die Eingewöhnung internationaler Studierender kümmern. Wie bei den Kirchen ist auch hier keine formelle Anmeldung erforderlich, um Gottesdienste zu besuchen, sich zu beteiligen oder die Familie in das Gemeindeleben einzubinden.
Judentum: Jüdisches Gemeindeleben in Deutschland
Das jüdische Leben in Deutschland ist von einer reichen Geschichte geprägt, die kein seriöser Reiseführer auslassen kann, und seine Gegenwart ist ein sorgsamer Wiederaufbau. Nachdem die Shoah eine einst blühende Gemeinde beinahe vollständig vernichtet hatte, ist das jüdische Leben in den letzten drei Jahrzehnten, maßgeblich durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren, wieder gewachsen. Heute zählt die Gemeinde rund hunderttausend registrierte Mitglieder, die größten Konzentrationen gibt es in Berlin, München und Frankfurt am Main. Die zuständige lokale Organisation ist die Jüdische Gemeinde, die in der Regel die Synagoge, kulturelle und Bildungsprogramme sowie soziale Dienste für ihre Mitglieder organisiert. Die Gemeinden decken das gesamte religiöse Spektrum ab, von orthodoxen über liberale bis hin zu Reformgemeinden, und größere Städte haben oft mehrere.
Über der lokalen Ebene ist der Zentralrat der Juden in Deutschland die wichtigste nationale Vertretung, und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) ist die Wohlfahrtsstelle der jüdischen Gemeinde. Sie bietet Sozialarbeit, Jugendprogramme und Integrationshilfe an – besonders wertvoll für jüdische Neuankömmlinge, die sich einleben möchten. Es ist wichtig, die Sicherheitslage zu berücksichtigen: Synagogen und jüdische Einrichtungen in Deutschland stehen unter Polizeischutz, und Besucher werden in der Regel gebeten, sich vorab anzumelden und einen Ausweis mitzubringen. Dies ist eine praktische Gegebenheit des jüdischen Gemeindelebens und kein Grund, fernzubleiben. Gemeinden freuen sich in der Regel über Neuankömmlinge, die sich vor ihrem Besuch melden. Wenn Sie jüdisch sind und nach Deutschland ziehen, ist die Kontaktaufnahme mit der örtlichen Jüdischen Gemeinde vor Ihrer Ankunft der sicherste Weg, um Anschluss an die Gemeinde, Angebote und gegebenenfalls koschere Lebensmittel und das religiöse Leben zu finden.
Andere Glaubensrichtungen und die große säkulare Mehrheit
Neben den drei größten religiösen Traditionen beherbergt Deutschland eine Vielzahl kleinerer Gemeinschaften, die sich in den größeren Städten konzentrieren, wo sie eine kritische Masse erreichen. Buddhistische Zentren und Klöster finden sich im ganzen Land und umfassen tibetische, Zen-, Theravada- und westliche Konvertitentraditionen. Viele bieten offene Meditationsabende an, die auch Anfänger willkommen heißen. Hindu-Tempel dienen der indischen, sri-lankischen tamilischen und der breiteren südasiatischen Gemeinschaft. Der Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm ist einer der größten in Europa. Sikh-Gurdwaras gibt es in Frankfurt, Köln, Stuttgart und anderen Städten. Traditionell bieten sie allen Besuchern ein gemeinsames Essen (Langar) an. Es gibt Bahá'í-Gemeinden, Alevitenvereinigungen und andere – wenn eine Diaspora in einer Stadt vertreten ist, ist ihr Gotteshaus meist der einfachste Ort, um Mitglieder der Heimat zu treffen.
Gleichzeitig ist es für Neuankömmlinge wichtig zu verstehen, dass Deutschland im Alltag eine weitgehend säkulare Gesellschaft ist und Konfessionslosigkeit völlig normal und weit verbreitet ist. Dies gilt insbesondere für die ehemalige DDR, wo Jahrzehnte unter einem säkularen Staat dazu geführt haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft angehört – in manchen östlichen Regionen stellen die Konfessionslosen sogar die deutliche Mehrheit. Bundesweit steigt der Anteil der Menschen ohne Kirchen- oder Religionszugehörigkeit stetig und beträgt mittlerweile etwa die Hälfte der Bevölkerung. Niemand wird Sie unter Druck setzen, sich zu einem Glauben zu bekennen, und es gibt eine wachsende organisierte säkulare und humanistische Szene für diejenigen, die Gemeinschaft ohne Religion suchen: Der Humanistische Verband Deutschlands bietet säkulare Zeremonien, Ethikkurse, Jugendgruppen und ein Zugehörigkeitsgefühl, das auf gemeinsamen Werten und nicht auf gemeinsamen Glaubensvorstellungen basiert. Kurz gesagt: Ganz gleich, wie Sie sich gläubig, unentschlossen oder überzeugt säkular fühlen – Sie sind hier in guter Gesellschaft und fühlen sich zu nichts verpflichtet.
Es gibt auch eine breite Palette an spirituellen, aber nicht religiösen Angeboten, die viele Neuankömmlinge gerade deshalb als zugänglich empfinden, weil sie keine Verpflichtungen und keinen Papierkram erfordern. Meditationsgruppen, Yogastudios, Achtsamkeitskreise und philosophische oder kontemplative Gesellschaften finden sich in jeder Stadt und sind oft Orte, an denen Menschen, die niemals einer Kirche beitreten würden, dennoch eine ruhige Gemeinschaft finden. Viele Angebote sind englischsprachig, offen für alle und können ein unkomplizierter erster Schritt in eine Welt voller neuer Gesichter sein.
Glaubensgemeinschaften als schneller Weg zur Zugehörigkeit
Wenn man die Theologie einmal beiseite lässt und Glaubensgemeinschaften rein als Hilfsmittel für Neuankömmlinge betrachtet, um sich ein neues Leben aufzubauen, dann sind sie eine der effektivsten Möglichkeiten. Eine Gemeinde ist von Natur aus eine einladende Gemeinschaft: Sie trifft sich regelmäßig, heißt Neuankömmlinge willkommen und basiert auf gemeinsamen Werten und gegenseitiger Hilfe, nicht auf geschäftlichem Networking. Für jemanden, der gerade in eine fremde Stadt gezogen ist und niemanden kennt, ist diese Kombination – ein fester wöchentlicher Treffpunkt, Menschen, die bereit sind, Hallo zu sagen, und oft eine gemeinsame Kultur oder Sprache – kaum zu übertreffen. Viele internationale Gemeinden entstanden genau deshalb, weil ihre Gründer sich daran erinnerten, wie isolierend die ersten Monate in einem neuen Land sein können.
Die praktischen Vorteile zeigen sich schnell. Glaubensgemeinschaften bieten neben den Gottesdiensten ein abwechslungsreiches soziales Leben – gemeinsame Mahlzeiten, Familien- und Jugendgruppen, Feste, Gesprächsrunden, Chöre und Musik –, wodurch sich auf natürliche und entspannte Weise immer wieder dieselben Leute treffen und Freundschaften entstehen. Oft sind sie mehrsprachig oder international, sodass sie einen sanften Einstieg in die deutsche Sprache bieten. Außerdem sind sie ein idealer Ausgangspunkt für ehrenamtliches Engagement: Die Wohlfahrtsverbände der Kirchen und viele Moschee- und Synagogengemeinden organisieren Lebensmittelaktionen, Flüchtlingshilfe, Besuche bei Senioren und Nachbarschaftsprojekte. So kommen Sie Seite an Seite mit Einheimischen zusammen und leisten etwas Sinnvolles. Unser Kapitel über Kultur durch Freiwilligenarbeit kennenlernen geht näher darauf ein, wie das Schenken von Zeit zu einem Weg in die deutsche Gesellschaft werden kann.
Nichts davon setzt eine tiefe Religiosität voraus. Interreligiöse Initiativen, Expat-freundliche Gemeinden und offene Gemeinschaftsveranstaltungen sind wirklich zugänglich, und viele Menschen nehmen daran teil – nicht nur aus Glaubensgründen, sondern auch wegen der Gemeinschaft und des Ehrenamts. Die ausgewogene Sichtweise ist, dass eine Glaubens- oder spirituelle Gemeinschaft wertvoll sein kann, egal ob man mit tiefer Überzeugung oder einfach nur mit dem menschlichen Bedürfnis nach Zugehörigkeit kommt – und es ist nicht verwerflich, allein aus diesem Grund dabei zu sein.
Finde deine Community und was du als Nächstes tun solltest
Beginnen Sie mit der praktischen Entscheidung, die sich auf Ihre Finanzen auswirkt: Überlegen Sie sich bei Ihrer Anmeldung genau, was Sie im Feld „Religion“ eintragen. Wenn Sie keine Kirchensteuer zahlen möchten, lassen Sie das Feld leer oder tragen Sie „keine“ ein. Sie können weiterhin jeder beliebigen Gemeinde angehören. Zahlen Sie bereits Kirchensteuer und möchten dies beenden, beantragen Sie Ihren Kirchenaustritt beim Standesamt oder Amtsgericht Ihres Bundeslandes. Planen Sie eine kleine Gebühr ein und prüfen Sie vorher, ob Ihre Kirchenmitgliedschaft an bestimmte Angebote gebunden ist, die Ihnen wichtig sind. Für die steuerlichen Details orientieren Sie sich an den Finanzkapiteln, anstatt zu raten. Die Erklärung kann Ihnen der Kirchenaustrittshelfer vorbereiten, die Abgabe erfolgt jedoch persönlich.
Um tatsächlich Menschen zu finden, suchen Sie nach der jeweiligen Gemeinde, Moschee, jüdischen Gemeinde, dem Tempel oder der Meditationsgruppe in Ihrem Bezirk. Achten Sie auf die Wörter „international“ oder „englischsprachig“, wenn Sie eine Gemeinde suchen, die an Neuankömmlinge gewöhnt ist – die meisten Städte haben mindestens eine. Schreiben Sie eine kurze Nachricht oder besuchen Sie einfach einen offenen Gottesdienst oder eine Veranstaltung; diese Gemeinschaften heißen Fremde quasi per Definition willkommen. Wenn eine Glaubensgemeinschaft nicht das Richtige für Sie ist, lässt sich derselbe Instinkt – regelmäßige Treffen mit gemeinsamen Werten zu finden – auch auf das säkulare und gesellschaftliche Leben übertragen. Unsere Ratgeber dazu Expat-Gruppen und -Clubs und Engagement der lokalen Gemeinschaft Dieses Kapitel beleuchtet die nicht-religiösen Wege in einen sozialen Kreis. Mithilfe dieser Informationen und der hier beschriebenen Möglichkeiten sollten Sie einen Ort finden, an dem Sie sich wohlfühlen, unabhängig von Ihrem Glauben. Dieses Kapitel dient der Orientierung und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Religionsberatung dar. Bei verbindlichen Angelegenheiten informieren Sie sich bitte bei der zuständigen Stelle oder Ihrer Gemeinde über die geltenden Bestimmungen.
Über diese Informationen
Dieses Kapitel bietet eine allgemeine Orientierung auf Grundlage weit verbreiteter Informationen zum Alltag in Deutschland (Stand: Juli 2026). Es handelt sich um allgemeine Hinweise, nicht um individuelle Rechts-, Steuer- oder medizinische Beratung. Detaillierte Informationen zu einzelnen Themen und offizielle Quellen finden Sie in den verlinkten Kapiteln auf WeLiveIn.de (siehe oben).
