Die Arbeit mit jungen Menschen ist eine der direktesten Möglichkeiten, sich in Deutschland wie zu Hause zu fühlen. Man wird gebraucht, die positive Wirkung ist unmittelbar spürbar und man knüpft schnell Kontakte vor Ort. Dieses Kapitel ist ein praktischer Leitfaden für Freiwilligenarbeit im Jugend- und Bildungsbereich für Ausländer: Es beschreibt die Nachhilfe- und Mentoring-Stellen, wo der Bedarf am größten ist, wie die deutsche Jugendarbeit organisiert ist, welche Möglichkeiten es gibt, in einer Schule mitzuwirken, und welche Schutzbestimmungen gelten, sobald man Zeit mit Minderjährigen verbringt. Im Fokus steht das Wie – wo man diese Stellen findet und was von einem erwartet wird. Für die weiterführenden rechtlichen und finanziellen Aspekte der Freiwilligenarbeit (das Ehrenamtssystem, Versicherungen, die steuerfreie Ehrenamtspauschale und die Vollzeit-Freiwilligendienste wie der FSJ) siehe unser Begleitkapitel. Freiwilligentätigkeit, worauf dieses Kapitel aufbaut, anstatt es zu wiederholen.
Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe: Wo der Bedarf am größten ist
Wenn Sie schnell etwas Sinnvolles tun möchten, fangen Sie hier an. In ganz Deutschland besteht ein stetiger, wenn auch unscheinbarer Bedarf an Menschen, die Kindern bei ihren Schularbeiten helfen. Das deutsche Wort dafür ist Nachhilfe, und die ehrenamtliche Variante heißt meist Hausaufgabenhilfe oder Hausaufgabenbetreuung – betreute Hausaufgabenstunden, die in Schulen, öffentlichen Bibliotheken, Gemeindezentren (oft Nachbarschaftshäuser oder Mehrgenerationenhäuser genannt), Kirchengemeinden und Familienzentren stattfinden. Der Zeitaufwand beträgt in der Regel ein bis zwei Nachmittage pro Woche während der Schulzeit. Sie helfen bei allem, was das Kind mitbringt: Mathematik, Lesen, Arbeitsblätter, Vorbereitung auf einen Test. Sie müssen keine Lehrkraft sein. Sie brauchen Geduld, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, ein und dasselbe auf drei verschiedene Arten zu erklären.
Eine typische Stunde verläuft ruhiger, als es klingt. Ein paar Kinder sitzen mit ihren Schultaschen da, und Sie gehen zwischen ihnen hin und her, prüfen, wer die Aufgabe verstanden hat, lösen Textaufgaben, testen den Wortschatz oder helfen einfach einem leicht ablenkbaren Kind, sich vierzig Minuten lang zu konzentrieren. Der Wert liegt selten in fortgeschrittenem Wissen, sondern in der ungeteilten Aufmerksamkeit, die ein volles Klassenzimmer oder ein turbulentes Zuhause nicht immer bieten können. Viele Kinder, die zur Hausaufgabenhilfe kommen, haben keine Schwierigkeiten, weil es ihnen an Begabung mangelt, sondern weil ihnen zu Hause niemand bei den deutschsprachigen Schularbeiten helfen kann. Ein beständiger, ermutigender Erwachsener bewirkt daher innerhalb weniger Wochen einen sichtbaren Unterschied.
Für Ausländer ist dies überraschend gut geeignet, und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen Ihres Hintergrunds. Viele Kinder, die Hausaufgabenhilfe benötigen, stammen aus Familien, in denen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, darunter auch viele Flüchtlings- und Migrantenkinder. Ihre eigenen Erfahrungen beim Deutschlernen, mit dem Nichtverstehen bestimmter Aufgaben und dem Gefühl, hinterherzuhinken, können Sie direkt einbringen. Und hier liegt ein oft unterschätzter Aspekt: Ihre weiteren Sprachkenntnisse sind ein Gewinn. Englisch steht auf dem Stundenplan jeder deutschen Schule, daher ist ein Englischsprachiger allein schon für dieses Fach von unschätzbarem Wert. Wenn Sie Arabisch, Türkisch, Ukrainisch, Russisch, Farsi oder eine andere Sprache sprechen, die von Migrantenfamilien gesprochen wird, können Sie eine Brücke zu Kindern schlagen, die noch Deutsch lernen – eine seltene und gefragte Fähigkeit. Es gibt viele Überschneidungen mit der Flüchtlingshilfe, und falls Sie sich dafür interessieren, empfehlen wir Ihnen unser Kapitel zu diesem Thema. Flüchtlings- und Migrantenunterstützung geht in diesem Kontext tiefer auf das Tutoring ein.
Es ist ganz einfach, eine Stelle als Hausaufgabenbetreuer zu finden. Fragen Sie in der nächstgelegenen Grundschule oder weiterführenden Schule nach, ob dort Hausaufgabenbetreuung angeboten wird und Helfer benötigt werden. Sie können auch in Ihrer Stadtbibliothek nachfragen oder sich an ein Gemeindezentrum oder eine örtliche Niederlassung von Caritas, Diakonie, AWO oder dem Deutschen Roten Kreuz wenden, die alle Lernförderprogramme anbieten. Die Freiwilligenagentur Ihrer Gemeinde, die im entsprechenden Kapitel beschrieben wird, führt eine Liste mit aktuellen Stellenangeboten und kann Ihnen innerhalb eines Nachmittags eine passende Stelle vermitteln. Rechnen Sie damit, vor Beginn der Arbeit mit Kindern ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen zu müssen – diese Anforderung wird gegen Ende dieses Kapitels erläutert und ist üblich, kein Grund zur Sorge.
Lesementoren und Einzelmentoring
Neben allgemeiner Hausaufgabenhilfe gibt es eine Reihe strukturierterer Programme, die jeweils auf einer langfristigen Eins-zu-eins-Beziehung zwischen einem Erwachsenen (oder einem älteren Schüler) und einem Kind basieren. Diese Programme zählen zu den am besten organisierten Einstiegsmöglichkeiten in diesem Bereich, da die dahinterstehenden Organisationen Schulungen und Unterstützung anbieten und sich um die notwendigen Formalitäten zum Kinderschutz kümmern.
Das bekannteste Leseförderprogramm ist MENTOR – Die Leselernhelfer, ein bundesweites Netzwerk lokaler Vereine. Ehrenamtliche treffen sich wöchentlich über einen längeren Zeitraum mit einem Kind, um dessen Lesesicherheit zu stärken. Das Modell ist bewusst einfach und persönlich: Woche für Woche derselbe Mentor und dasselbe Kind, in der Regel während oder direkt nach der Schule. Viele Städte bieten auch eigene Lesepaten-Programme an, oft organisiert von der örtlichen Bibliothek, einer Schule oder einer Stiftung. Ehrenamtliche lesen mit Kindern oder hören ihnen beim Vorlesen zu. Leseförderung ist ideal, wenn Sie eine klar definierte, entspannte Aufgabe suchen. Auch Leser, deren Deutschkenntnisse noch nicht so gut sind, können viel bewirken, indem sie einem Kind einfach ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und Zeit schenken.
Für eine intensivere Betreuung rekrutieren verschiedene etablierte Organisationen bundesweit Freiwillige. Balu und Du bringt Studierende und andere junge Erwachsene (jeweils „Balu“, nach dem Bären aus dem Dschungelbuch) mit Grundschulkindern (dem „Mogli“) zusammen. Gemeinsame Freizeitaktivitäten stärken über etwa ein Jahr hinweg das Selbstvertrauen und die sozialen Kompetenzen der Kinder. Rock Your Life! vermittelt Schülerinnen und Schülern, typischerweise in den Jahren vor dem Schulabschluss, studentische Mentorinnen und Mentoren, um sie bei der Orientierung in Ausbildung oder Weiterbildung zu unterstützen. Die Arche (vollständiger Name: „Die Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk“), eine Kinderhilfsorganisation mit Einrichtungen in benachteiligten Vierteln vieler deutscher Städte, bietet kostenlose Mahlzeiten, Hausaufgabenhilfe und Freizeitaktivitäten an und ist stark auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Sie ist eine gute Option, wenn man sich lieber an eine feste Anlaufstelle wenden möchte, anstatt allein betreut zu werden. Neben diesen bundesweiten Angeboten führen viele Schulen und Kommunen eigene Bildungspaten- oder Schülerpatenprogramme durch, bei denen ein Freiwilliger einem jungen Menschen zur Seite steht und ihn kontinuierlich fördert und praktisch begleitet.
Bei der Auswahl eines Mentoring-Programms sollten Sie überlegen, welche Art von Verpflichtung Sie auch wirklich einhalten können. Ein Mentoring-Programm ist ein Versprechen an ein bestimmtes Kind, und die Folgen eines vorzeitigen Abbruchs sind real. Daher setzen diese Programme zu Recht eine festgelegte Laufzeit – oft ein Schuljahr – und regelmäßige Teilnahme voraus. Falls Sie sich in Deutschland noch nicht ganz zurechtgefunden haben, könnte ein offenes Angebot wie eine Hausaufgabenbetreuung oder ein Arche-Zentrum besser zu Ihnen passen als eine Einzelbetreuung, bis Sie sich eingelebt haben.
Jugendarbeit und das Jugendarbeitssystem
Deutschland verfügt über eine große und gut organisierte Jugendarbeit, die parallel zur Schule und größtenteils auch außerhalb stattfindet. Ein Überblick über diese Strukturen hilft dir, deinen Platz darin zu finden. Auf Stadtteilebene gibt es Jugendzentren und Jugendtreffs (oft kurz „Juze“ oder „JuZ“ genannt) – offene, betreute Orte, an denen Jugendliche sich treffen, Hilfe erhalten und an Aktivitäten teilnehmen können. Diese werden von der Gemeinde oder einem Wohlfahrtsverband betrieben und freuen sich über ehrenamtliche Helfer für verschiedenste Aufgaben, von der Organisation eines Spieleabends bis hin zur Unterstützung von Musik-, Sport- oder Kochgruppen.
Über den lokalen Zentren stehen die Verbände – die großen Jugendverbände mit jeweils eigenem Charakter, die gemeinsam das Rückgrat der organisierten Jugendarbeit bilden. Die Deutsche Sportjugend ist der Jugendzweig der deutschen Sportbewegung und erreicht über Sportvereine Millionen junger Menschen. Die THW-Jugend (die Jugendabteilung des Technischen Hilfswerks, des Bundesamts für Bevölkerungsschutz) und die Jugendfeuerwehr (die Jugendfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehren) vermitteln praktische Fertigkeiten, Teamarbeit und das richtige Verhalten in Notfällen. Die kirchliche Jugendarbeit ist sehr umfangreich: Auf katholischer Seite ist der BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) der Dachverband, und auf evangelischer Seite gibt es die Evangelische Jugend. Die Pfadfinderbewegung ist in verschiedenen Verbänden organisiert, darunter die DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) und der VCP (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder). Die meisten dieser Organisationen haben lokale Gruppen, bei denen man sich einfach melden und um Hilfe bitten kann. Man muss nicht die gleiche Konfession haben, um bei vielen offenen Aktivitäten einer kirchlichen Gruppe willkommen zu sein – einfach fragen.
Eine besondere und erfüllende Aufgabe in dieser Welt ist die des Betreuers (Gruppenleiters oder Lagerleiters) bei einer Ferienfreizeit oder Jugendfreizeit – einem Ferienlager oder einer Jugendreise, die oft ein oder zwei Wochen im Sommer dauert. Du betreust eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen fern von zu Hause, leitest das Programm und sorgst für deren Sicherheit. Da dies eine echte Verantwortung ist, gibt es in Deutschland eine anerkannte Qualifikation dafür: die JuLeiCa, kurz für Jugendleiter*in-Card. Sie wird durch einen Lehrgang erworben, der Gruppenleitung, kindliche Entwicklung, rechtliche Pflichten, Kinderschutz und in der Regel einen Erste-Hilfe-Schein umfasst, und wird von vielen Organisationen als Nachweis für deine Eignung zur Leitung junger Menschen anerkannt. Wenn dich die Arbeit in Lagern und Gruppen anspricht, frag bei deinem örtlichen Verband oder deinem städtischen Jugendamt (Jugendamt oder Stadtjugendring/Kreisjugendring) nach dem nächsten JuLeiCa-Kurs; viele sind kostengünstig oder kostenlos und offen für Neueinsteiger. Wenn du dich speziell für Sport interessierst, ist das Trainieren einer Jugendmannschaft in einem lokalen Verein einer der einfachsten Wege – unser Kapitel dazu Beitritt zu Sportvereinen erklärt, wie das Vereinssystem funktioniert. Wer sich lieber ein Jahr lang in Vollzeit engagieren möchte, kann das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in Schulen und der Jugendarbeit absolvieren; das Rahmenkapitel erläutert die Funktionsweise des FSJ und der anderen Freiwilligendienste.
Freiwilligenarbeit in Schulen und formale Bildung
Schulen selbst sind hilfsbereit, auch wenn der Weg dorthin oft weniger spektakulär ist als erwartet. Fast jede deutsche Schule hat einen Förderverein – einen eingetragenen Verein von Eltern und anderen Mitgliedern, der Spenden sammelt und die Schule unterstützt, insbesondere bei Kosten, die nicht vom staatlichen Budget gedeckt sind. Die Mitgliedschaft im Förderverein oder die Unterstützung desselben ist eine der wertvollsten Möglichkeiten, sich zu engagieren, und man muss kein Kind an der Schule haben, um beizutreten. Für Neulinge ist dies ein idealer Einstieg, da die Arbeit größtenteils organisatorischer Natur ist – Veranstaltungen, kleinere Projekte, Spendenaktionen – und nicht direkt vor der Klasse steht.
Es ist hilfreich, sich vor dem Besuch einer deutschen Schule etwas über deren Struktur zu informieren – die verschiedenen Schularten, die Rolle der Bundesländer bei der Bildungspolitik und die Einordnung des Ganztagsunterrichts; unser Kapitel dazu Primar- und Sekundarschulbildung Das erklärt alles und erleichtert Ihnen das erste Gespräch mit einer Schulleitung oder einem Förderverein erheblich. Im Schulalltag und in der wachsenden Zahl von Ganztagsschulen helfen Ehrenamtliche beim Lesen, betreuen die Schulbibliothek, unterstützen Hausaufgabenbetreuung und fungieren als Schülerpaten oder Bildungspaten, die einzelne Schüler individuell betreuen, wie bereits beschrieben. Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Begleitung junger Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. JOBLINGE, eine bundesweite Initiative in Form eines gemeinnützigen öffentlich-privaten Projekts, unterstützt benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg zu Ausbildungsplätzen und Arbeitsplätzen. Sie ist auf ehrenamtliche Mentoren angewiesen, die junge Menschen auf diesem Weg begleiten – ideal, wenn Sie Berufserfahrung einbringen und ein Mentoring mit klarem Ziel suchen. Viele Regionen bieten zudem eigene Mentoring-Programme nach dem Vorbild von Ausbildungspaten oder Berufseinstiegsbegleitung an, bei denen ein Erwachsener einem Jugendlichen kurz vor dem Schulabschluss zur Seite gestellt wird.
Wenn Sie einen technischen, digitalen oder naturwissenschaftlichen Hintergrund haben, wächst das ehrenamtliche Engagement rasant. Die Hacker School beispielsweise bringt Freiwillige aus dem Technologie- und IT-Bereich zusammen, um Kindern und Jugendlichen kurze, praxisorientierte Programmierkurse anzubieten. So können berufstätige Entwickler ein Wochenende oder einen Abend unterrichten, ohne sich langfristig zu binden. Andere Programmierclubs, Maker Spaces, Robotikgruppen und naturwissenschaftliche Schulprojekte suchen nach Menschen, die diese Themen lebendig vermitteln können. Hier zählen Ihre beruflichen Fähigkeiten mehr als Ihre Deutschkenntnisse. Universitäten bieten Buddy- und Mentoring-Programme an, die lokale Freiwillige mit internationalen Studierenden zusammenbringen, die nach Deutschland kommen – eine naheliegende Aufgabe, wenn Sie sich noch gut an Ihre eigene Ankunft erinnern. Wenn Sie einer Schule oder einem Programm Ihre Fähigkeiten anbieten, seien Sie konkret, was Sie leisten können und wie oft. Ein klares, bescheidenes Angebot („Ich kann dienstags beim Englischlesen helfen“) lässt sich viel leichter vermitteln als ein unbestimmtes.
Kinderschutz: Die Regeln für die Arbeit mit Minderjährigen
Wer in Deutschland ehrenamtlich mit Jugendlichen arbeitet, stößt früh auf Kinderschutzbestimmungen. Es ist hilfreich, sich darauf einzustellen, anstatt überrascht zu werden. Sie dienen dem Schutz von Kindern, und die Aufforderung, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ist ein Zeichen dafür, dass eine Organisation ihre Verantwortung ernst nimmt – es ist niemals eine persönliche Kritik an Ihnen.
Das zentrale Dokument ist das erweiterte Führungszeugnis. Ein normales Führungszeugnis ist ein Standard-Strafregisterauszug; die erweiterte Version weist zusätzlich bestimmte Straftaten aus, die für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen relevant sind. Organisationen, die Freiwillige mit regelmäßigem Kontakt zu Minderjährigen einsetzen, sind in der Regel verpflichtet, dieses zu überprüfen. Sie beantragen es persönlich bei Ihrem zuständigen Bürgeramt oder Einwohnermeldeamt. Die Organisation, bei der Sie sich engagieren möchten, stellt Ihnen normalerweise eine schriftliche Bestätigung aus, dass die Tätigkeit die Voraussetzungen erfüllt. Dadurch kann die Gebühr reduziert oder erlassen werden. Sie zeigen das Zeugnis der Organisation vor; Sie geben es in der Regel nicht ab. Die Bearbeitung dauert einige Wochen, daher sollten Sie frühzeitig danach fragen und es nicht als Formalität in letzter Minute betrachten. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Jugendarbeit. Freiwilligentätigkeit behandelt den Papierkram in allgemeineren Begriffen.
Neben dem Zertifikat verlangen die meisten seriösen Organisationen von Ihnen die Teilnahme an einer Kinderschutzschulung und die Unterzeichnung ihres Verhaltenskodex (oft eine Selbstverpflichtungserklärung). Dieser legt sinnvolle Grenzen fest: wie man angemessen mit einem Kind allein ist oder dies vermeidet, wie man mit Körperkontakt, Fotos und Kontakt über soziale Medien umgeht und was zu tun ist, wenn ein Kind etwas Beunruhigendes anvertraut oder Sie Anzeichen von Gefährdung bemerken. Das soll Ihnen keine Angst machen. Die zugrunde liegenden Normen sind einfach: Seien Sie transparent, halten Sie sich an vereinbarte Orte und Zeiten und informieren Sie die Organisation, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt. Die Einhaltung dieser Normen schützt Sie genauso wie das Kind. Eine weitere unausgesprochene Erwartung in der gesamten Jugendarbeit ist Verlässlichkeit. Kinder merken, wenn ein Erwachsener nicht mehr da ist, und Beständigkeit ist oft das Wertvollste, was Sie einbringen können. Versprechen Sie daher nur, was Sie auch halten können.
So starten Sie durch
Der einfachste erste Schritt ist, sich einen Weg aus diesem Kapitel auszusuchen und Kontakt aufzunehmen. Schreiben Sie eine E-Mail oder schauen Sie persönlich in der nächstgelegenen Schule vorbei und fragen Sie nach deren Förderverein oder Hausaufgabenbetreuung. Sie können sich auch an eine Mentoring-Organisation wie MENTOR – Die Leselernhelfer, Balu und Du, Rock Your Life!, Die Arche oder JOBLINGE wenden oder direkt zu Ihrer kommunalen Freiwilligenagentur gehen und mitteilen, dass Sie gerne mit Kindern oder im Bildungsbereich arbeiten möchten. Die Freiwilligenagentur ist der schnellste Weg: Sie kennt die aktuellen Stellenangebote, kann Ihre Sprachkenntnisse und Ihre verfügbaren Nachmittage berücksichtigen und Ihnen genau sagen, welche Kinderschutzmaßnahmen für die jeweilige Tätigkeit erforderlich sind. Das Rahmenkapitel erklärt, wie Sie Ihre lokale Agentur finden und nutzen können.
Zum Thema Sprache: Lassen Sie sich von unsicheren Deutschkenntnissen nicht abschrecken. Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe funktionieren zwar auf Deutsch, aber auch auf Englisch und in Ihrer Muttersprache. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund ist das Erlernen einer weiteren Sprache oft der entscheidende Punkt. Jugendarbeitsstellen bieten eine gute Gelegenheit, Deutsch zu üben, während Sie helfen. Und falls die Sprache Ihre größte Sorge ist, finden Sie in unserem Kapitel zu diesem Thema hilfreiche Informationen. Überwindung der deutschen Sprachbarrieren hat praktische Tipps. Passen Sie Ihr Engagement realistisch an Ihre Lebenssituation an – eine individuelle Mentoring-Beziehung erfordert monatelange, regelmäßige Teilnahme, ein Ferienlager eine intensive Woche und einen JuLeiCa-Kurs im Vorfeld, und eine offene Hausaufgabenbetreuung benötigt lediglich einen verlässlichen Nachmittag. Es gibt für fast jeden das passende Angebot.
Gib dem Ganzen Zeit, und es gibt dir mehr zurück, als du investierst. Du wirst erleben, wie ein Kind einen Satz liest, den es letzten Monat noch nicht lesen konnte, du lernst Deutschland von innen kennen und knüpfst Kontakte zu Kollegen, Eltern und Nachbarn – etwas, das durch keinen Papierkram zu ersetzen wäre. Freiwilligenarbeit im Jugend- und Bildungsbereich ist einer der schnellsten Wege, sich in Deutschland zu Hause zu fühlen. Um einen umfassenderen Einblick in die Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit für Neuankömmlinge zu erhalten, lies unser Kapitel über … Kultur durch Freiwilligenarbeit kennenlernen ist eine gute nächste Lektüre. Fang mit einem Nachmittag an und lass es sich von da an weiterentwickeln.
Über diese Informationen
Dieses Kapitel bietet eine allgemeine Orientierung auf Grundlage weit verbreiteter Informationen zum Alltag in Deutschland (Stand: Juli 2026). Es handelt sich um allgemeine Hinweise, nicht um individuelle Rechts-, Steuer- oder medizinische Beratung. Detaillierte Informationen zu einzelnen Themen und offizielle Quellen finden Sie in den verlinkten Kapiteln auf WeLiveIn.de (siehe oben).
